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Giro News

Bolognese für müde Radler

Marian Schäfer

Münster - Bernhard Kuper ist so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen. Es ist 11.30 Uhr und brechend voll auf dem Hindenburgparkplatz. Während die Profis noch Gas geben, stellen vor den Feldküchen des Malteser Hilfsdienst immer mehr „Jedermänner“ ihre Räder ab, 125, 90 oder 55 Kilometer in den Beinen und entsprechend hungrig.

„Wir haben gut vorgearbeitet und keinen Grund, in Stress zu geraten“, meint Kuper, der als Chef der Mobilen Küche über die Zubereitung des Essens wacht und mit seiner Riesenkelle noch einmal die Hackfleischsoße durchrührt: Es gibt Spirelli-Nudeln mit Bolognese, die ersten 100 Kilo Hack wurden morgens um 6 Uhr gebraten. Ausschlafen konnte Bernhard Kuper heute nicht.

Eigentlich ist Kuper Elektriker, seit Jahren aber bei den Maltesern aktiv im Küchendienst, genauso wie Frau Brigitte, Sohn Matthias und Bruder Josef. Beim Hochwasser war er in Heek, bei der Love-Parade-Tragödie in Duisburg. Aber das seien vergleichsweise kleine Einsätze gewesen, meist mit einer Feldküche waren sie da. „Heute sind wir mit zwei Küchen aus Münster, einer aus Bocholt und einer aus Haltern hier“, meint der 64-Jährige und zeigt auf die ausgeklappten Anhänger mit jeweils vier Kochstellen, in denen es blubbert und dampft.

Immer wieder kommen Helfer, holen Riesenschalen mit Nudeln oder füllen Soße in 25-Liter-Bottiche ab. Alles läuft ziemlich professionell ab - zu professionell, wie vor allem private Caterer meinen, die dem Hilfsdienst vorwerfen, ihnen das Wasser abzugraben. Kuper kennt die Kritik, hält aber dagegen: „Erst einmal ist das hier auch nicht ganz umsonst. Zudem ist es für uns eine gute Übung. Wie sonst sollten wir das machen?“

19 Köche bereiten das Essen zu, das von zehn weiteren Freiwilligen in den Zelten vor den Feldküchen ausgegeben wird. Keiner der Sportler wird hängen gelassen, auch nicht Joachim Just, der in der Eile irgendwo auf der 90 Kilometer langen Jedermann-Strecke seine Unterlagen samt Essens-Coupon verloren hat. „Aber das war überhaupt kein Problem, die sind nett hier“, freut sich der 62-Jährige, der aus der Nähe von Braunschweig kommt und das dritte Mal beim Giro mitgefahren ist.

„Sogar für Vegetarier haben die was, das ist nicht immer so“, meint Just und zeigt auf seine Nudeln mit Tomatensoße, die allerdings - wie Küchenchef Bernhard Kuper verrät - selten bestellt werden. Unter den Radfahrern scheint es wenig Vegetarier zu geben. Auch Peter Schmidt aus Hamburg, der zusammen mit Joachim Just gekommen ist, würde eher zu Currywurst und kühlem Bier tendieren. „Aber Kohlenhydrate müssen sein“, meint der 46-Jährige und stochert ein bisschen verloren in seinem Plastik-Schälchen.

Es ist 12.30 Uhr, vor den Feldküchen und der Essensausgabe ist kein Durchkommen mehr. „Die Hälfte ist auch schon weg“, gibt Küchenchef Kuper eine Wasserstandsmeldung. Dabei sind die Mengen enorm: 600 Kilo Hack werden durchgebraten, dazu kommt die gleiche Menge Nudeln und 25 Kilo Parmesan. Gearbeitet wird mit XXL-Löffeln und Pürierstäben, die Vorschlaghämmern ähneln.

Über 4000 Portionen gehen an diesem Sonntag wohl raus, die Hälfte davon zwischen 11.30 Uhr und 12.30 Uhr. „Davor und danach kommen die Leute eher tröpfchenweise“, meint Kuper, der erst gegen 15.30 Uhr die Riesenkelle einpacken kann.

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