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Neues Museum öffnet am 1. Juni

Borghorst beherbergt das Bauhaus

wn

Borghorst/Münster - Erst zu Beginn der 1990er Jahre bemerkte das Münsterland, welchen bedeutenden Künstler es beherbergte. Denn Heinrich Neuy, einer der letzten damals lebenden Bauhauskünstler (1911-2003) hatte während seiner langen Berufslaufbahn als Tischler in Borghorst kein großes Aufsehen um seine fundierte Bauhaus-Ausbildung und seine eigenen Kunstwerke, vorwiegend Malerei, gemacht.

Erst ab 1960 stellt er seine Werke wieder aus und gewissermaßen in der Phase des (Un-)Ruhestands wurde die Kunstszene der Region auf ihn aufmerksam, so dass er 1989 eine eigene Galerie eröffnete. 1994 ehrten ihn das Bauhaus in Dessau und das Westfälische Landesmuseum in Münster mit einer großen Retrospektive.

Es folgten Kulturpreise der Stadt und des Kreises Steinfurt. Acht Jahre nach seinem Tode wird die 2005 gegründete Heinrich-Neuy-Stiftung nun am 1. Juni ein Museum in Borghorst eröffnen. Es ist nach Stiftungsangaben das erste Bauhaus-Museum in Nordrhein-Westfalen und findet seinen Platz im repräsentativen Stiftskurienhauses aus dem Jahr 1668 am Kirchplatz in Steinfurt-Borghorst, das zu diesem Zweck restauriert und saniert wurde.

Ein eigener Museumsverein, das Land NRW, die NRW-Stiftung und private Gönner stemmten das Millionenprojekt gemeinsam. Allein die Sanierung des historischen Hauses, so Kuratoriumsmitglied Jürgen Holtz, erforderte viel Einsatz und Aufwand.

Zum Bestand des neuen Museums gehören künftig etwa 380 Bilder von Heinrich Neuy und etwa 125 Bilder und Skizzen anderer namhafter Bauhauskünstler sowie Möbel von Heinrich Neuy im Original und von Walter Gropius, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe, Peter Keler, Lampen von Marianne Brandt, Wilhelm Wagenfeld, Josef Albers und Gerrit Rietveld. Sie stammen von Firmen, die heute die Rechte daran haben, die Bauhausmöbel und Lampen originalgetreu nachzuproduzieren.

„Es hat viel Zeit und Kraft gekostet, dieses Haus zu sanieren und einzurichten, aber es hat sich gelohnt. Ich bin stolz und froh, dass wir die Werke meines Vaters und anderer Bauhauskünstler in diesem wunderschönen alten Stiftskurienhaus präsentieren und für die Nachwelt erhalten können“, sagt die Tochter Heinrich Neuys und Leiterin der Heinrich Neuy-Stiftung, Hedwig Seegers. Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich ein Museumsshop. In naher Zukunft soll dort auch ein Restaurant eröffnen, das komplett im Bauhausstil eingerichtet ist.

Die Ausstellungsräume befinden sich in der ersten Etage des denkmalgeschützten Hauses. Dort werden in Wechselausstellungen Bilder, Möbel, Stelen und Bleiverglasungen von Heinrich Neuy sowie Werke anderer Bauhauskünstler wie von Marcel Breuer, Walter Gropius oder Ludwig Mies van der Rohe zu sehen sein. Auch sind hier Bestände der alten Borghorster Stiftsbibliothek ausgestellt.

Das restaurierte Stiftskurienhaus besticht durch die original erhaltene Architektur auf der einen und durch den neu errichteten Wintergarten mit hoher Glasfront auf der anderen Seite.

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