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Brandstiftung und versuchter Mord

Jennifer von Glahn

Münster - Im Landgericht Münster hat am Montag der Prozess gegen einen 32-jährigen Mann aus Bochholt begonnen. Dem Angeklagten wird versuchte Brandstiftung und heimtücktischer, versuchter Mord vorgeworfen. Der Bocholter gab zu, im Februar versucht zu haben, ein Mehrfamilienhaus an der Salierstraße in Bocholt in Brand zu stecken.

Dazu hatte der 32-jährige Marco G. mehrere Kanister mit Dieselkraftstoff in den Kellerräumen des Hauses verschüttet, die er mit Hilfe eines Stofftieres und Papier entflammen wollte. Die Kanister habe der 32-jährige in den Kellerräumen gefunden; ein Feuer brach nicht aus, da der Kraftstoff nur schwer entflammbar war. Eine Erklärung für seine Tat konnte der Angeklagte nicht liefern. Der 32-Jährige habe sich auf dem Heimweg von privaten Feierlichkeiten befunden und habe mehrere Flaschen Wein konsumiert. Die Kellerräume des Mehrfamilienhaus habe er auf der Suche nach Lebensmitteln und weiterem Alkohol betreten. Warum er auf die Idee kam, das Haus in Brand setzen zu wollen, konnte der Angeklagte nicht benennen.

Während der Tatzeit gegen halb zwei Uhr Nachts hatten sich mehrere Bewohner teils schlafend in dem Haus aufgehalten, erst ein aufgeschreckter Hausbewohner, der den Angeklagten zur Tatzeit überraschte, konnte den alkoholisierten Marco G. durch Zurufe in die Flucht schlagen. Bekannte oder Verwandte des Angeklagten sind in dem Haus nicht wohnhaft, es handelt sich um keinen Racheakt, wie der Angeklagte betonte. Die Vermutung der Staatsanwaltschaft, es handle sich um eine politisch motivierte Aktion, konnte die Verteidigung schnell widerlegen. In dem Mehrfamilienhaus sei ein Mann wohnhaft, der rechtspolitisch aktiv ist und hinter der versuchten Brandlegung einen Anschlag Linksextremer vermutete. Sein Mandant sei aber nicht politisch aktiv, so der Verteidiger rückversichernd.

Der 32-jährige Marco G. ist bei der Polizei kein Unbekannter. Neben einer Anzeige wegen Brandstiftung musste sich der Bocholter bereits mehrere Male wegen Einbruch und Diebstahl verantworten und musste auch schon vermehrt kleinere Haftstrafen antreten. In dem ersten Fall von Brandstiftung ist das Verfahren gegen Marco G. eingestellt worden. Der 32-jährige hatte eine Laube mit Hilfe von Kerzen anzünden wollen. Bei einer Verurteilung wegen heimtückischen, versuchten Mordes mit gefährlichen Mitteln droht dem 32-Jährigen eine Haftstrafe bis zu 15 Jahren. Strafmildernde Gesichtspunkte in dem Prozess könnte die Biografie des Angeklagten darstellen. Früh von der Mutter getrennt, ist der Bocholter in einem Heim und dann in einer Pflegefamilie groß geworden, in der er unter den teils gewalttätigen Handlungen der Pflegeeltern zu leiden hatte.

Der Angeklagte besuchte eine Sonderschule bis zur achten Klasse, die er ohne Abschluss verließ. Eine Lehre oder Ausbildung hat der 32-Jährige, der unter starkem Zittern leidet, nicht abgeschlossen. Bis heute besteht kein Kontakt zur leiblichen Mutter, der leibliche Vater des 32-Jährigen ist bereits verstorben. Ob eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus für den Angeklagten in Betracht kommt, muss noch endgültig geklärt werden. Der öffentliche Prozess wird am neunten, zehnten und 22. Dezember im Landgericht fortgesetzt werden.

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