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„Bravissimo“ Weltissimo

Michael Schulte

Münster - Hubertus Schmidt hatte sichtlich Spaß. Locker im Sitz, leger in der Handhabung des Pferdes; bei aller Ernsthaftigkeit bei seinem Ritt genoss er diesen Auftritt. Und er verriet dabei ein wenig von der Leichtigkeit des Dressursports. Zugegeben, das können nur wenige. Denn sonst hätte das kleine Mädchen ja Recht, das am Sonntagnachmittag seiner Mutter verriet: „Das ist nicht schwer da oben drauf. Die Pferde machen doch die ganze Arbeit allein.“

Der Mannschafts-Olympiasieger von 2004 und -Weltmeister von 2006 nutzte seine Favoritenstellung beim Turnier der Sieger in Münster „gnadenlos“ aus. Nach seinem Erfolg im Grand Prix führte er seinen Weltissimo auch auf das oberste Treppchen im Spécial. Und er hielt damit Wort, nachdem er – bei allem Respekt vor der Konkurrenz – seinen Doppelcoup schon am Freitag angedroht hatte.

„Bestens zufrieden“, lachte der 48-jährige Pferdewirtschaftsmeister am Sonntag, nachdem er das zweite Mal als Erster auf die Ehrenrunde gehen durfte. Ihm war es wichtig, mal wieder einen sportlichen Paukenschlag gelandet zu haben. Und er wusste, wem er das auch zu verdanken hatte. „Weltissimo macht mir viel Freude. Er hat die Lektionen drauf, lässt sich selten gehen und mich nicht hängen. Das gibt eine Verlässlichkeit, die mir als Reiter sehr angenehm ist.“ Es ist offensichtlich, dass der Mann vom RV Altenautal mit dem zwölfjährigen Hengst wieder über einen erstklassigen Beritt verfügt. Auch wenn Weltissimo noch nicht das beste Pferd im Stall Schmidt ist.

Am Sonntag gab es im Spécial 1797 Punkte, das entsprach 71,880 Prozent. Ein sehr ordentliches Ergebnis, an das die Konkurrenten nicht herankamen. Hermann Gösmeiers Pferd trägt zwar den Namen Favourit, musste sich aber am Sonntag hinter Weltissmo anstellen. 1719 Punkte waren gut und brachten den zweiten Platz ein. Den Bronzerang sicherte sich Carola Koppelmann auf Insterburg und war darüber sehr froh. Nicht weiter verwunderlich, kam sie mit ihren 1678 Zählern doch um ganze fünf Punkte vor Hendrik Lochthowe auf Rubin Royal (1673) ins Ziel.

Hubertus Schmidt hatte es dem Veranstalter freigestellt, ihn nach dem Grand-Prix-Erfolg entweder für die Kür oder den Spécial zu nominieren. „Wo ich gebraucht werde, bin ich dabei“, hatte er angeboten. Auf diese Weise konnte er am Samstagabend sein Pferd im Stall lassen und die Kür als interessierter Beobachter zu genießen.

Der Veranstalter hatte im Vorfeld von einem Versuch gesprochen, den Samstag unter Flutlicht ausklingen zu lassen. Weil das Wetter prächtig mitspielte, die Illumination des Schlosses ausgesprochen gelungen war und das Flutlicht die Pferde nicht störte, wurde alles zum Erlebnis für Sportler und Besucher. „Die Kür bei Nacht, die hat was“, kam es anerkennend von den Rängen. „Wer das nicht genießt, der ist selbst schuld“, kam es von Andrea Timpe, der umjubelten Siegerin. Sie hatte auf Rosselini fast alles richtig gemacht. Der Ton stimmte, der Takt passte, die Lektionen saßen und die Ausführungen waren perfekt. So perfekt, dass Kür-Kommentator Michael Klimke bei seiner Beurteilung aus dem Schwärmen nicht mehr herauskam. „Wir bedanken uns bei Andrea Timpe für diesen großartigen Ritt.“ Ähnliche Komplimente hielt er auch für Ludwig Zierer auf Weltino und Wolfram Wittig auf Berkeley parat.

Klimke im Nachsatz: „Wenn der Zuschauer die Hilfen nicht erkennt, die der Reiter dem Pferd gibt, dann hat der oben im Sattel alles richtig gemacht.“ Das kleine Mädchen hat ja doch Recht.

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