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Deutsches Team

Bruchpilot, Nebelgeist, Frohnatur: Zwischenzeugnis der WM-Fahrer

Achim Muth

Eppan - 13 Tage Trainingslager im Herzen Südtirols gingen gestern für die deutsche Mannschaft zu Ende. Zeit, eine Bilanz der Vorbereitung zu ziehen - sie ist nicht ganz ernst geraten.

» Hans-Jörg Butt: Kam als Letzter und lag als erster im Bett: Magen-Darm-Virus. Hechtete anschließend ruhig wie immer auf Platz drei der Torhüter-Rangliste. Hofft darauf, für ein etwaiges Elfmeterschießen eingewechselt zu werden

» Manuel Neuer: Trug im Training weißes Schlabber-Shirt. Zurecht die Nummer eins. Steckte sich bei Butt an, fehlte deshalb beim Training wegen Magen-Darm-Problemen.

» Tim Wiese: Stellte sich schon mal auf das kalte Winterwetter in Südafrika ein und trug auch in der Südtiroler Hitze immer dicke Pullis - die kann er auf der Bank auch gebrauchen. Höchster Haargel-Verbrauch im Team.

» Dennis Aogo: Wurde von Zuschauern und Journalisten häufig verwechselt mit Jérôme Boateng oder Cacau. Oft gestellte Frage am Trainingsplatz: Ist das Aogo? Ja.

» Holger Badstuber: Der Neuling aus München debütierte gegen Ungarn. Eine Belohnung dafür, dass er beim Radeln im Montiggler Wald nicht vom Mountainbike gefallen war.

» Jérôme Boateng: Wurde von Zuschauern und Journalisten häufig mit Dennis Aogo oder Cacau verwechselt. Oft gestellte Frage am Trainingsplatz: Ist das der Boateng? Ja.

» Arne Friedrich: Mit seinen 31 Jahren fast schon der Methusalem im Team. Könnte der Partner von Per Mertesacker in der Innenverteidigung sein. Der Nationalspieler mit den meisten Spielen (71) ohne ein einziges Tor.

» Marcell Jansen: Außenverteidiger im Wartestand. Trainierte fast ohne Schmerzen und trägt auf dem Unterarm die mächtigste Tätowierung seit dem Spinathelden Popeye

» Philipp Lahm: Der neue Regierungssprecher im Fußballland. Soll als Kapitänsnachfolger von Bestimmer Ballack dem Team mehr Demokratie beibringen. Sagt Sätze wie: „Meiner Meinung nach ist es aber grundsätzlich besser, wenn die Hierarchie flach strukturiert ist.“

» Per Mertesacker: Auch in Wirklichkeit so groß, wie er im Fernsehen wirkt. Gilt als Leuchtturm der deutschen Abwehr, summt gerne ein Liedchen.

» Serdar Tasci: Hat es geschafft, so unauffällig wie ein Geist im Nebel durch die Vorbereitung zu kommen. Sieht aus wie der ältere Bruder von Sami Khedira, ist aber 20 Tage jünger.

» Sami Khedira: Selbstbewusst, eloquent, fast ein bisschen überheblich. Der neue Sechser. Oder Achter? Sieht aus wie der jüngere Bruder von Serdar Tasci, ist aber 20 Tage älter.

» Toni Kroos: Trickreich, engagiert, und mit 20 Jahren das Nesthäkchen im Team. Dafür schon sehr selbstbewusst: „Ich denke, dass ich der Mannschaft helfen kann.“

» Marko Marin: Wäre zum Knuddeln, wenn er nicht Nationalspieler wäre. Ihm klebt der Ball am Fuß, ein Wusler wie einst Pierre Littbarski. Könnte zum Maskottchen des Teams werden.

» Mesut Özil: Straßenfußballer aus Gelsenkirchen, wirkt immer etwas schüchtern. Sagt Sätze wie: „Wir glauben an uns.“ Muss nur noch den dazugehörenden Gesichtsausdruck lernen.

» Bastian Schweinsteiger: Der Super-Sechser. Gilt als deutsche Hoffnung im Mittelfeld. Hat zwar kaum trainiert, ist aber immerhin im Montiggler Wald nicht vom Rad gefallen.

» Piotr Trochowski: Auch nicht vom Rad gefallen.

» Cacau: Macht Poldi Konkurrenz als Frohnatur im Team. Extrem locker, extrem cool, extrem gläubig. Der Gewinner des Trainingslagers aus Sicht der Stürmer.

» Mario Gomez: Ach ja, war auch da. Fiel nicht vom Rad und konnte sich auch sonst kaum verletzen: Traf fünfmal gegen Eppans Dorfjugend.

» Stefan Kießling: Der Franke war sehr fleißig und fand nahtlos seine zuletzt gezeigte Länderspielform: Chancen en masse, keine Tore.

» Miroslav Klose: Er hat die meisten Länderspiele (95), die meisten Tore (48), die meisten WM-Tore (10) im deutschen Team und durfte sich beim FC Bayern ausgiebig ausruhen für die WM. Wirkt trotzdem wie ein trauriger Pierrot.

» Thomas Müller: Reiste spät an und versuchte beim Mountainbiken eine schmerzhafte Bremstechnik, die im Gesicht rötliche Spuren hinterließ: Könnte den Gegnern Angst einflößen. Ansonsten gesund und sehr erfrischend.

» Lukas Podolski: Der Kölsche Jung reiste mit satten zwei Bundesligatoren in der Saison 2009/10 nach Südtirol an und blühte im Jungbrunnen Nationalmannschaft auf wie eh und je. Fand rasch zur Sommermärchen-Laune und unterhielt sich sogar mit dem Hund vom Maier Sepp: „Ja, wo is der Bazi?“

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