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Filmrezensionen

„Brüno“: Modegockel auf Provokationstour

Er spricht sich natürlich Bruno aus, das „Brüno“ auf dem Plakat soll witzig sein. Aber zur Sache, Schätzchen: Der neue Film des britischen Comedian Sacha Baron Cohen ist nicht cool wie „Ali G Indahouse“ und kein Treffer wie „Borat“...

Hans Gerhold

Er spricht sich natürlich Bruno aus, das „Brüno“ auf dem Plakat soll witzig sein. Aber zur Sache, Schätzchen: Der neue Film des britischen Comedian Sacha Baron Cohen ist nicht cool wie „Ali G Indahouse“ und kein Treffer wie „Borat“, sondern eine lahme Ente mit quäkendem Brachialhumor und Provokationswut, die ins Leere watschelt. Was an der Hauptfigur liegt, die kalt lässt und eine wichtige Voraussetzung der Komödie verfehlt: Man sollte deren Helden mögen. Bruno aber ist nur ein penetranter Nervtöter.

Als der schwule Moderator der TV-Lifestyle-Show „Funkyzeit“ gefeuert wird, weil er auf der Mailänder Modewoche stört (die Sequenz funktioniert nicht, verläuft ohne Lacheffekt), entschließt er sich, berühmt zu werden. Der Film verfolgt in der aus „Borat“ bekannten Manier Brunos alberne und derb-drastische Versuche, mit gezielten Provokationen und scheinbar naivem Augenaufschlag Aufmerksamkeit zu erlangen. Bruno scheitert. Er versucht, so richtig männlich zu werden und scheitert erneut.

Daraus entwickelt sich eine wüste Sketch-Revue, die aufdringlich Werbung für schwule Sexualpraktiken macht, was mehr als nur eine Geschmacksfrage ist. Es ist die heterosexuelle Identität, die unterlaufen werden soll. Bei aller Liberalität sollte ein Hetero das nicht hinnehmen, zumindest kann er es nicht goutieren.

Was ist komisch daran, einen Senator ins Hotelzimmer zu locken und die Hosen runter zulassen? Dass man in der Kaserne mit modischen Accessoires aneckt, na klar. Swinger-Partys verlaufen nicht öffentlich, und dass Wrestler-Fans sich vor kopulierenden Männern ekeln, ist auch nicht neu. Die Jäger reagieren auf Brunos Brokeback-Mountain-Provokationen gelassen: klarer Fall von Fehlschuss. Gelungen sind nur die Sequenzen mit dem Baby (Adop­tionstourismus), und die mit Paula Abdul und Mexikanern als Sitzmöbel.

Der Film „Brüno“ wirft, über seine vergessenswerte Existenz hinaus, grundsätzliche Fragen auf. Der Film gibt sich als Realsatire, ist aber keine. Wurden bei „Borat“ in Guerilla-Manier erkennbar reale Situationen mit Fangfragen auseinandergenommen, so sind in „Brüno“ die meisten Situationen (TV-Studio, die Domina) erkennbar inszeniert und verlieren ihre (komische) Glaubwürdigkeit.

Gegenüber dieser Witzfigur reagiert nur einer adäquat. Der gute alte „Indiana Jones“ Harrison Ford, der da zischt: „Verpiss dich!“

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