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Buch über Stoiber: Pikante Details eines Politikerlebens

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München. Edmund Stoiber lässt die Bayern so schnell nicht los: Jetzt ist zur Kabale um den erzwungenen Rücktritt des CSU-Chefs und dessen Rachefeldzug ein Buch erschienen. Das Publikum erscheint begierig – vor allem wegen der pikanten Details, die Stoiber aber eigentlich bis heute niemand zutraut.

Alle, die nahe dran sind am Geschehen, sind sich einig: Der Anfang vom politischen Ende des Edmund Stoiber war gemacht, als sich der CSU-Chef weigerte, als Super-Minister am Kabinettstisch der Angela Merkel Platz zu nehmen. Seine Partei und seine Anhänger haben ihm das nie verziehen.

Bisher kursierte für den fatalen Rückzieher hauptsächlich die Erklärung, dass Stoiber sich von den CDU-Damen Angela Merkel und Annette Schavan ausgetrickst wähnte. Nun präsentiert der Rundfunk-Journalist Rudolf Erhard eine in dieser Form neue Variante: Stoiber wollte nicht nach Berlin, weil ihn seine Frau Karin dort nicht unbeaufsichtigt den Verlockungen der Hauptstadt-Damenwelt ausgeliefert sehen wollte.

Die Hypothese stützt sich im Kern auf einen Satz, den Stoiber sagte, wenn die Diskussionen um seinen Berlin-Rückzieher drängend wurden: „Meine Ehe war in Gefahr.“ Das kann viel bedeuten, und im Falle Stoibers dachten viele dabei daran, dass Karin Stoiber in jenen Tagen auch äußerlich erkennbar gelitten hatte unter dem Karriere-Stress ihres Mannes; dass sie endlich den Anspruch erhob, ein Leben auch außerhalb der Politik zu führen. Ein Leben also, das es an Stoibers Seite bis dahin kaum gab.

Amouren spielten bei der Deutung des Satzes von der gefährdeten Stoiber-Ehe bisher eher keine Rolle: In der CSU, die in solchen Dingen einer Fleisch gewordenen Klatschkolumne gleicht, gab es zwar immer wieder mal Gerüchte – aber auch die nahezu klassische Einschätzung, dass Stoiber für Weibergeschichten einfach nicht geschaffen sei.

Zu präsent sind auch Erzählungen, dass der große Blonde heimgeschickt wurde, wenn es in den Männerrunden seines Ziehvaters Franz Josef Strauß lustig wurde.

Die Reihe derer, die Stoiber auf seinem Weg steil nach oben mit offenen Rechnungen zurückließ, ist lang. Viele davon zählt der Journalist Erhard auf, von der unerschrockenen CSU-Vorstandsfrau Barbara Stamm bis zu Günther Beckstein, dem Stoibers Zögern das Amt des Bundesinnenministers vermasselte.

Stoibers Sturz und der Rachefeldzug, der seine Nachfolger von der großen Politik-Bühne fegte, gehören zu den starken Passagen des Buchs.

Rudolf Erhard: Edmund Stoiber – Aufstieg und Fall, Fackelträger-Verlag, 222 Seiten, Euro 19,95.

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