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„Bürger müssen sofort deutlich entlastet werden“

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Münster - Die Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen (VdU), Petra Ledendecker, fordert in einem Interview mit unserem Mitarbeiter Klaus Hilkmann die sofortige Senkung der Mehrwertsteuer.

Sind die Konjunkturaussichten wirklich so düster?

Ledendecker: Die Entwicklung wird 2009 stark branchenabhängig sein. Bei Automobilherstellern und Zulieferern sehen wir jetzt schon erhebliche Probleme. Auch der Autohandel ist von der negativen Entwicklung bereits schwer getroffen. Wegen des sehr restriktiven Verhaltens der Banken wissen zum Beispiel viele Autohäuser schon jetzt nicht mehr, wie sie ihre Bestände finanzieren sollen. Bei anderen Branchen, wie etwa dem global agierenden Maschinenbau wird die Entwicklung sehr stark davon abhängen, wo die Absatzmärkte liegen. Die Binnenwirtschaft wiederum kann sofort unterstützt werden, wenn Unternehmen und Bürger bei den Abgaben entlastet werden.

Reicht das aktuelle Konjunkturpaket der Bundesregierung aus?

Ledendecker: Nein, überhaupt nicht. Wir brauchen ein Konjunkturpaket, das schnell wirkt und möglichst schon zum 1. Januar 2009 in Kraft tritt. England hat hier mit der Senkung der Mehrwertsteuer ein sehr gutes Mittel gefunden. Auch Deutschland braucht so ein deutliches Signal – und zwar schnell.

Bundeskanzlerin Merkel will mit Steuerentlastungen bis nach der Bundestagswahl warten...

Ledendecker: Warum? Wir können nicht bis zum September 2009 auf wirksame Maßnahmen warten. Ich fordere eine sofortige Senkung der Mehrwertsteuer. Das würde sich sofort im Portemonnaie der Bürger bemerkbar machen, zu einer erhöhten Kaufbereitschaft führen und damit einer Stützung der heimischen Unternehmen sorgen.

Was bedeutet das Ganze für die Haushaltskonsolidierung?

Ledendecker: In Zeiten der Krise müssen die Prioritäten anders gesetzt werden. Die globale Finanzkrise wird ja nicht nur in Deutschland zu Haushaltsproblemen führen. Trotzdem gibt es in dieser Situation keine Alternative zu einer deutlichen Entlastung der Bürger und der mittelständischen Unternehmen.

Was passiert, wenn die Bundesregierung die Steuern und Abgaben nicht wie von Ihnen gefordert senkt?

Ledendecker: Dann haben wir die Chance verpasst, zeitnah zu handeln und schnell Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung zu nehmen. Wenn wir nicht aufpassen, wird bei den Bürgern weiter Vertrauen verloren gehen. Im schlimmsten Fall wird die derzeitige wirtschaftliche Situation dann als schlimmer empfunden, als sie eigentlich ist. Wir sollten uns nicht in Horrorszenarien überbieten.

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