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Karneval im Kreis Warendorf

Bürgermeister auf verlorenem Posten

Annette Metz

Sendenhorst - Unlösbar war die Aufgabe, das Rathaus zu verteidigen, für Bürgermeister Berthold Streffing gestern Mittag. Die Argumente, oder besser das Argument, von Prinz Burkhard I. und seinen Panzerknackern war einfach zu gut. Den Narren war es nämlich gelungen, des Bürgermeisters Gattin Renate in ihre Gewalt zu bringen. Und diese wollten sie ausschließlich gegen den Schlüssel zum Rathaus wieder freigeben.

Mit Ketten an einen Stuhl gefesselt wurde Renate Streffing dem begeisterten Narrenvolk und ihrem Mann auf dem Rathausbalkon präsentiert. Klägliche Hilferufe waren zu hören. Und so stand der Bürgermeister zwischen den beiden Stühlen „Pflicht“ und „Ehefrau“. Doch ganz so einfach wollte er sich nicht auf einen von beiden setzen. Und so unterbreitete er den Narren Friedensangebote. Ein Geldsäckchen etwa, dass seine Mitarbeiter von der Bundesbank „organisiert“ hatten. Doch das beeindruckte weder Prinz noch Panzerknacker, und Frau Renate fragte kläglich: „Berthold, hast du denn nicht mehr zu bieten?“

Und so wies Streffing darauf hin, dass ihm die Frauen der Panzerknacker signalisiert hätten, dass sie ihm helfen würden, wenn es zu haarig würde.

Das wiederum beeindruckte Prinz Burkhard nicht, der dem Bürgermeister klarmachte, dass es immerhin um seine Frau gehe. Doch Streffing konterte: „Ja, das ist eine Frau bei 30 Panzerknacker. Hier wären es 30 Frauen bei einem Bürgermeister.“

Und weil der Bürgermeister nicht willig war, gebrauchten die Panzerknacker am Ende Gewalt. Mit einem Rammbock verschafften sie sich Zugang zum Rathaus und dem Rathausbalkon, auf dem es dann auch zum Schlüsseltausch kam. Außerdem verkündeten sowohl Prinz Burkhard als auch das Kinderprinzenpaar Kathi und Paul von dort ihre Statuten für die kommenden tollen Tage.

Die Sendenhorster Karnevalsfans auf dem gut gefüllten Rathausplatz hatten ihren Spaß an dem Treiben auf der Bühne und vor dem Rathaus und schunkelten bei guter Musik der Stadt- und Feuerwehrkapelle, des SG-Spielmannszuges und des Fanfarenzuges Blau-Weiß gegen die eisige Kälte an.

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