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Bürgermeisterwahl: 71 Prozent für grünen Kandidaten in Telgte

Roland Greife

Telgte - Er wirkte fast ein bisschen verlegen inmitten der jubelnden Menschen, die rhythmisch klatschten und sachte versuchten, Sprechchöre anzustimmen: Wolfgang Pieper hat die Bürgermeisterwahl in Telgte mit deutlichem Vorsprung gewonnen und wurde dafür am Sonntagabend im Rathaus und anschließend auch auf dem Frühlingsfest in der Altstadt frenetisch gefeiert. Er schüttelte Hände, wurde mit Glückwünschen überhäuft.

Der 48-Jährige hat als langjähriger Fraktionschef der Grünen den Sprung auf den Bürgermeistersessel geschafft. 71,5 Prozent stimmten für ihn. Auf seinen Gegenkandidaten Dr. Ingo Deitmer, einen Sozialdemokraten, der auch von der CDU unterstützt wurde, entfielen 28,5 Prozent. Telgte ist damit neben Rhede die zweite Stadt in Nordrhein-Westfalen, die aktuell einen grünen Bürgermeister hat.

„Ich bin überwältigt und danke für den Vertrauensvorschuss“, sagte Pieper nach Verkündung des vorläufigen amtlichen Endergebnisses. Er hoffe, dass die Aufbruchstimmung, die er während des Wahlkampfs gespürt habe, anhalte. „Nur gemeinsam können wir es schaffen“, appellierte er zugleich an die Fraktionen im Rat, in dem Pieper angesichts fehlender Mehrheiten Unterstützung braucht.

In Telgte musste gestern zum dritten Mal innerhalb von neun Monaten ein Bürgermeister gewählt werden. Die Kommunalwahl im August 2009 war für ungültig erklärt worden, nachdem 500 Briefwahlunterlagen versehentlich im Reißwolf gelandet waren. Im Dezember wurde die Abstimmung wiederholt mit dem Ergebnis, dass der bis dahin amtierende Bürgermeister Dr. Dietrich Meendermann als einziger Kandidat die erforderliche Mehrheit verfehlte. Seitdem hatte Telgte keinen hauptamtlichen Bürgermeister mehr.

Dass Wolfgang Pieper bei der erneuten Wahl antreten würde, stand seit Januar fest. Er hatte seine Partei im Dezember zu dem landesweit besten Ergebnis der Grünen bei einer Kommunalwahl geführt. Die CDU blieb nur noch knapp die stärkste politische Kraft in Telgte und fand in ihren Reihen keinen eigenen Bewerber. Die Verwaltungserfahrung, die Ingo Deitmer im Gegensatz zu Pieper in seine Kandidatur einbrachte, spielte für die Wählerinnen und Wähler offensichtlich keine Rolle.

„Ich bin enttäuscht“, sagte der Abteilungsleiter im Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster. Möglicherweise hätten die ihn tragenden Parteien und er selbst den hohen Rückhalt unterschätzt, den Pieper in der Telgter Bürgerschaft genieße, sagte Deitmer am Abend.

Der neue Bürgermeister hat kommenden Montag seinen ersten Arbeitstag im Rathaus. Schon heute wird er erste Vorgespräche führen und im weiteren Verlauf der Woche seinen Schreibtisch im Landeshaus Münster räumen, wo er Geschäftsführer der grünen Fraktion in der Landschaftsversammlung war. Die Vereidigung Piepers im Rat ist für den 27. Mai vorgesehen.

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