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Caritas-Suchtberatung: Glücksspiel-Problematik hat stark zugenommen

Martin Schildwächter

Münster-Gievenbeck - Seit 30 Jahren gibt es eine Beratungsstelle der Caritas in Gievenbeck, die seit 1999 an der Heinrich-Ebel-Straße 41 untergebracht ist. Wichtig für alle Angebote: Sie sind kostenlos, beruhen auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Für die Suchtberatung ist Werner Hassolt verantwortlich.

„Wir sind für die legalen Abhängigkeiten zuständig“, umschreibt der 47-jährige Diplom-Sozialarbeiter Has­solt sein Aufgabenspektrum. Menschen, die Probleme im Umgang mit Alkohol, Medikamenten und Spielen haben, gehören zu denjenigen, die in der Beratungsstelle Rat suchen und Hilfe finden.

Doch bevor Suchtkranke dorthin den Weg finden, „muss der Leidensdruck sehr groß sein“, erzählt Hassolt aus jahrelanger Erfahrung. Oft seien es ganz konkrete Anlässe, die die Betroffenen dazu veranlassten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen: Dazu zählen unter andeerem der Führerscheinentzug, körperliche Schäden infolge des Alkoholkonsums, Abmahnung des Arbeitgebers oder Partnerschaftsprobleme.

Im nächsten Schritt, erläutert Hassolt die Vorgehensweise, werde nach individuellen Lösungen gesucht. Je nach Fall werden zunächst Einzel- oder Paargespräche geführt oder es wird die ganze Familie miteinbezogen. Im weiteren Verlauf können sowohl ambulante als auch stationäre Angebote vermittelt werden (Selbsthilfegruppen, Fachkliniken).

Ein besonderer Schwerpunkt bildet seit einigen Jahren der Bereich Glücksspiel. Hassolt: „Die Anfragen nehmen regelmäßig zu.“ Von der Spielsucht seien insbesondere junge Menschen betroffen - das Alter liege zwischen 22 und 35 Jahre. Zum Vergleich: Die Alkoholabhängigen seien zwischen 35 und 45 Jahre alt. Die schleichende Sucht setze allerdings schon einige Jahre zuvor ein.

Mit der Spielsucht gehe zudem oft eine „große Verschuldung einher“, berichtet der Suchtberater. Bis zu 75 000 Euro. So hoch sei beispielsweise der Schuldenberg eines jungen Mannes in die Höhe geschnellt. Hassolt: „Nur Geld hält die Sucht am laufen.“ Oft sei dann der Schritt zu kriminellen Handlungen nicht weit.

Zu 85 Prozent besuchen die Glücksspielabhängigen Spielhallen. Denn dort stehen die „Geldspielgeräte mit Gewinnmöglichkeit“, so der offizielle Name der Automaten. „Das Pech war, dass ich Glück hatte.“ Genau diese Aussage eines Betroffenen macht nach Ansicht von Hassolt deutlich, wie leicht sich Menschen beeinflussen lassen und die Hoffnung auf einen Gewinn sie immer wieder in die Spielhallen zieht. Des Weiteren sei es bei jungen Leuten „auch die Langeweile-Situation“, die dazu führe, dass sie immer wieder Spielhallen aufsuchten.

Ziel der Suchtberatung sei es, die Menschen wieder in ein „aktives und selbstbestimmtes Leben“ zu führen. Und zwar in Familie, Beruf und Gesellschaft, unterstreicht der Diplom-Sozialarbeiter.

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