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Casting für Kanzler

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Willst du gern erfolgreich sein, geh in eine Castingshow rein. Ein Motto, dass bei uns schon seit längerer Zeit ausgiebig gelebt wird und – zumindest kurzfristig – auch wirkt. Egal, ob es sich dabei um den jährlichen Superstar oder das Topmodel handelt – oder um die Twilight-Darstellerin und den Bundeskanzler.

„Ich kann Kanzler“, heißt die neue ZDF-Sendung, in der nun sechs junge Leute im Alter von 18 bis 31 von den Zuschauern zum perfekten Kanzler gewählt werden können. Zwar erwartet den Sieger nur ein Bundeskanzlergehalt und nicht der Posten selber. Doch könnte die Sendung nicht auch richtungsweisend sein?

„Deutschland sucht den Superkanzler (DSDSK)“ – und alle wären glücklich. Die Sender hätten endlich ihr 100. TV-Event des Jahres, und die Menschen könnten endlich ihren Lieblingskanzler auf den Thron setzten. Während in der Vorrunde noch eine unabhängige Jury aus Bankern, Tabakproduzenten und Pharmalobbyisten die Kandidaten auf Herz und Nieren prüft, können die Zuschauer die letzten zehn Finalisten schließlich per Telefon wählen, was endlich einmal zu einer Wahlbeteiligung von über 100 Prozent führen könnte.

In Disziplinen wie Deutschlandfahne schwenken, Nationalhymne singen, Weltuntergang beschwören und „Wie zieh ich den Bürgern möglichst unauffällig viel Geld aus der Tasche“ müssen die Kandidaten überzeugend auftreten. Dem Staat könnte DSDSK einige extra Einnahmen bescheren. Während es heute noch Geld kostet, alle Wähler zu informieren und die vielen Wahlzettel auszuteilen, könnte der Wahlanruf für 1,99 Euro Geld in die leeren Kassen spülen. Nach dem großen Finale, das live mit 200 000 Zuschauern vorm Brandenburger Tor stattfindet, könnten wir Deutschen endlich einen Kanzler mit Obama-Faktor präsentieren.Daniel Peters

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