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Chilenische Karnevals-Anfänger

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Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2008. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Evangelische Jugendarbeit, das mit sechs Chilenen im Rosenmontagszug unterwegs ist, um diesen jungen Menschen neue Welten zu zeigen, neues Leben und neue Zivilisationen. . .

Passend zum Motto „Karneval vom anderen Stern“ fühlen sich José, Francisco, Hugo, Guillermo, Pilar und Veronica tatsächlich wie Außerirdische. Rosenmontag? Umzug? Kostüme? Für die sechs Südamerikaner ein völliges Mysterium. Drei ihrer sechs Austauschwochen am St.-Christophorus-Gymnasium in Werne haben sie ganz harmlos hinter sich gebracht. Und jetzt das: der Kulturschock.

Es war Barbara Goetzes Idee, ihren Gastschüler einfach mitzunehmen nach Ahlen in die Fußgruppe der Evangelischen Jugendarbeit. Und warum eigentlich nur den einen? Warum nicht gleich sechs? Und die Lehrerin auch dazu?

Da laufen sie nun mit im Pulk der närrischen Jugendlichen. Das „Helau“-Rufen haben sie zwar vorher geübt, aber irgendwie will es ihnen im Zug nicht so richtig über die Lippen kommen. Was ist los? Keine Lust auf westfälische Heiterkeit? Aber nein, wir haben Spaß, versichert José und lächelt verschmitzt – während seine Kumpel Francisco, Hugo und Guillermo eher irritiert auf die Narren am Straßenrand schauen: Was wollen die von uns? Ganz klar: ordentlich was in die Taschen, den Schirm, die Tüte.

Tja, aber das mit dem Werfen klappt am Anfang beiden Austauschschülern auch noch nicht so. Nicht, dass die Kraft in den Armen nicht reicht, aber sie sind halt doch etwas sehr zurückhaltend. Die Popcorn-Tütchen der „Chilenos“ landen eher auf der Straße als am Rand. Und Pilar zieht es vor, aus „Wurf“- „Gibmaterial“ zu machen und es den Kindern direkt in die bereit gehaltenen Tüten zu stecken.

Den Narren am Straßenrand fällt es nicht auf, dass da südamerikanische Karnevals-Laien unterwegs sind. Die 16- und 17-jährigen Gastschüler singen und tanzen mit, auch wenn sie die Stimmungshits gar nicht kennen. Bei Texten wie „Hey Baby“ kein Problem. Bei der „Macarena“-Choreografie halten die chilenischen Mädels und Jungs ebenfalls locker mit, und als sie irgendwann das Prinzip der Polonäse durchschaut haben, kennen sie fast kein Halten mehr – wenn auch immer noch mit dem ein oder anderen fragenden Blick.

Nein, etwas Vergleichbares gebe es in Chile nicht, sagen sie. Keine Kostüme, keinen Rosenmontag, keinen Umzug. Und vor allem sei es dort nicht so kalt. Das Wetter ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt, den die Neu-Narren gestern anbringen. Ansonsten: Alles toll!

Toll findet Spanisch-Lehrerin Anke Lehnen, dass trotz des bescheidenen Wetters so viele Jecken den Zug anschauen. Und im Gegensatz zu den Austauschschülern ist die Pädagogin regelrechte Karnevalsexpertin, stammt sie doch vom Niederrhein.

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