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China-Böller

Michael Giese

Die Gelbe Gefahr: Mit dieser Metapher ließen sich bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Bedrohungsängste gegenüber China nachhaltig schüren. Die Gelbe Gefahr: Dieser Begriff flößte zugleich aber auch Respekt ein vor dem scheinbar unerschöpflichen und daher unkalkulierbaren Machtpotenzial aus dem Fernen Osten.

Aus heutiger Sicht hat sich das Bedrohungsszenario zwar grundlegend geändert. Die historischen Ängste aber halten sich in den Köpfen vieler Europäer und Amerikaner beharrlich. Zu fürchten sind nun nicht mehr die roten Mandarine, die kraft der Milliarden-Bevölkerung der Volksrepublik den Kommunismus in den Westen zu tragen drohen. Nein. Der Drache ist tot – es lebe der Drache, heißt es. Der schlafende wirtschaftliche Riese ist erwacht und überschwemmt inzwischen mit aller Macht die internationalen Märkte mit seinen Produkten „Made in China“. Zugleich entwickelt dieses Land einen schier unstillbaren Durst auf die Rohstoffe dieser Erde und verschmutzt den Planeten, dass vielen im Westen Angst und Bange wird.

Die Meldung, dass Deutschland bald von den Chinesen als Exportweltmeister abgelöst wird, hat indes die deutschen Politiker aufgeschreckt und bekannte Reflexe ausgelöst. Soll Deutschland angesichts des China-Booms weiterhin Finanzhilfe an Peking zahlen? Immerhin: Es geht um rund 67 Millionen Euro – ob nun Entwicklungshilfe oder Darlehen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit genannt.

Die Frage zumindest scheint berechtigt. Und FDP-Brüderle hat die zündende Wirkung dieses China-Böllers im politischen Sommerloch scharfsinnig erkannt. Die Antwort darauf ist nicht ganz eindeutig, aber einfach: Nein, aber . . .

Das Schwellenland China braucht keine Entwicklungshilfe. Zumal Peking selbst mit Milliarden-Beträgen vorprescht – vor allem in Afrika, um sich dort zukünftige Märkte zu sichern. Aber: Es wäre politisch und ökonomisch unklug, wenn Deutschland die Projekthilfen für die Chinesen einstellen würde. China selbst wird für Deutschland ein immer bedeutenderer Exportmarkt. Die Hilfe zu kappen, wäre das falsche Signal. Die 67 Millionen Euro sind gut angelegtes Kapital, das auch Arbeitsplätze in Deutschland sichern hilft.

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