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Christen protestieren: Emotionen vor dem Bischofssitz

Peter Schniederjürgen

Ahlen / Münster - „Wir sind die Kirche“, erscholl am Freitag der Ruf der Ahlener Protestdelegation der St.-Bartholomäus-Gemeinde vor dem Bischöflichen Generalvikariat am Domplatz in Münster. Weit über 100 Gemeindemitglieder und Fusionsgegner hatten sich auf den Weg gemacht, um für den Verbleib der Pfarrer Matthias Könning und Martin Feldmann zu demonstrieren.

„Wir bedauern, dass unser Konzept auf Ihre Ablehnung stößt“, sagte Domvikar Hans-Bernd Köppen, der zusammen mit Wilfried Renk, Leiter Stabsstelle Gemeindefusion, das Gespräch mit den Demonstranten aufnahm. Dabei konnten die Positionen nicht gegensätzlicher sein. Hier die engagierte Gemeinde, die ihre Pfarrer mit allen Mitteln halten will, dort die Kirchenverwaltung, die gerade das nicht will. Für beide Seiten schwierig, sich verständlich zu machen, zumal die Lautsprechertechnik kläglich versagte. Die emotional aufgeladene Diskussion konnte so nur von einem kleinen Kreis mitgehört werden.

„Wir haben die Gemeinden frühzeitig über die Veränderungen informiert“, beharrte der Domvikar, was die Menge mit lauten Buh-Rufen quittierte.

„Wir wollen ja nicht die Fusion verhindern, wir können nur nicht verstehen warum man diese Pfarrer abberufen will“, hielt Dr. Richard Doll den Kirchenfunktionären vor. „Es wurde mit allen Beteiligten gesprochen und alle wurden informiert“, bekräftigte der Stabsstellenleiter. „Ändere niemals ein Gewinnerteam“, schallte es aus der Masse der Demonstranten zurück.

So gingen die Debatten zwischen Dombaustelle und Bischofssitz leidenschaftlich weiter. Während die Erwachsenen argumentierten, brachten Kinder ein Transparent „Wir sind die Kirche“ am Gitter vor dem Bischofssitz an.

Freunde der Gemeinde aus Ahlen, Walstedde und Sendenhorst waren dem Protestaufruf nach Münster gefolgt. Zu den Protestierern gesellten sich zahlreiche Münsteraner. „Wer weiß, heute seit ihr dran, morgen vielleicht schon wir“, fasste eine Münsteranerin ihre Solidarität in Worte.

Pfarrer Matthias Könning bekam auch familiäre Unterstützung. „Wir kommen extra aus Rheda-Wiedenbrück zum Familiengottesdienst nach Ahlen, weil wir uns in der Gemeinde angenommen fühlen“, erklärte Martha Pass, geborene Könning, die mit ihrem Bruder Christoph Könning dabei war.

Vor dem halboffenen Tor entzündeten Kinder Kerzen. „Es ist ein Symbol, die Tür ist noch nicht zu, aber Bewegung scheint es nicht zu geben“, stellte Dr. Raimund Balmes nach einem Gespräch im Bischofshaus bedrückt fest. Draußen erscholl derweil weiter der Protestruf: „Wir sind die Kirche!“

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