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Christian Ahlmann ist allgegenwärtig

Uwe Peppenhorst

Münster - Dass Christian Ahlmann am Wochenende vor dem münsterschen Schloss seine Pferde sattelt, ist ausgeschlossen, dass der Doppel-Europameister von 2003 überhaupt beim Turnier der Sieger vorbeischaut, ebenfalls höchst unwahrscheinlich.

Und trotzdem wird der 33-jährige Marler, dessen Schimmelwallach Cöster bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong positiv auf das verbotene Dopingmittel Capsaicin getestet wurde, allgegenwärtig sein. Das Fernsehen hat bereits angekündigt, dass es einen Teil seiner Sendezeiten – vorgesehen sind Übertragungen am Samstag in der Zeit von 17 bis 17.55 Uhr (WDR) und am Sonntag in der Zeit von 12.45 bis 13.45 Uhr (ARD) – dem Thema Doping widmen wird. Und auch in Reiterkreisen wird sich ganz sicher mehr als nur ein Gespräch um dieses heikle Thema drehen. „Damit ist zu rechnen, und damit müssen wir leben“, weiß Turnierchef Hendrik Snoek, hat trotzdem die Hoffnung, dass letztlich der Sport im Mittelpunkt stehen wird.

Angeheizt wurden die Diskussionen um das Thema Doping in den letzten Tagen von mehreren Seiten und Dingen. Dass auch Cösters B-Probe positiv ausgefallen ist, war sicherlich keine Überraschung. „Etwas anderes war nicht zu erwarten und wäre eine echte Sensation gewesen“, so gestern der einhellige Tenor auf dem Turnierplatz.

Ebenfalls nicht unbedingt überraschend ist, dass sich Marion Jauß mittlerweile vehement vor Christian Ahlmann gestellt hat. Die Besitzerin von Cöster, die neben ihrer Schwester Madeleine Winter-Schulze als eine der einflussreichsten Mäzeninnen im deutschen Pferdesport gilt, erklärte in der Recklinghäuser Zeitung: „Zum Fall selbst weiß ich nicht viel. Ich weiß aber, dass Christian ein tadelloser Sportsmann ist. Seit über zehn Jahren reitet er Pferde von mir. Er hat sie immer vorbildlich gepflegt und behandelt. Ich bin sicher und überzeugt, dass er sich wissentlich keines Vergehens schuldig gemacht hat.“

Was die 69-Jährige, sie seit vielen Jahren auf dem Gestüt Neritz in Schleswig-Holstein beheimatet ist, besonders stört, ist die Art und Weise, wie derzeit über den Reiter diskutiert wird. „Wie mit Christian selbst von höchster Stelle umgegangen wird, wie man ihn öffentlich zum Fraß hinwirft – das ist für mich enttäuschend und stillos. Es wird überhaupt nicht hinterfragt. Stattdessen wurde Christian selbst von höchster Stelle zur Kreuzigung freigegeben“, erklärte sie.

Besonders schwer enttäuscht zeigte sie sich in diesem Zusammenhang von den Verantwortlichen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, die in Hongkong vor Ort waren. Denen wirft sie vor, nicht ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen zu sein. Es reiche nicht, sich etwas unterschreiben und es dann gut sein zu lassen, so ihre Einschätzung, die sie mit mit einer Frage verbindet: „Woher soll denn ein Reiter wissen, dass ein seit Jahren erfolgreich angewandter Extrakt aus Chilischoten, das ausschließlich zur Entspannung der Rückenmuskulatur benutzt wird, auf einmal bedenklich ist? Das Mittel steht doch seit Jahren in jedem Stall, ohne dass es irgendjemanden juckt.“

Marion Jauß will es mit dieser Kritik nicht bewenden lassen. Vielmehr hat sie angekündigt, dass sie umgehend Top-Tierärzte konsultieren werde, die bescheinigen sollen, dass bei Cöster keine unerlaubte Medikation oder gar Doping vorgenommen wurde. Und noch eines stellte sie unmissverständlich fest: „Egal, wie die Sache ausgeht – den Transporter, der meine Pferde aus Marl abholt, wird es nicht geben.“

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