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„Jonas“

Christian Ulmen experimentiert im Schulalltag

Hans Gerhold

Zwischen Spielfilm und Dokumentarfilm angesiedelt, geht „Jonas“ von Christian Ulmen und Robert Wilde dem Alltag an deutschen Schulen nach, wo Wörter wie rumoxidieren (= abhängen) und rulen (= Spaß machen) den Sprachschatz Goethes und Schillers durchaus bereichern.

Ulmen spielt den 18-jährigen Jonas. Der Sitzenbleiber mit der Justin-Bieber-Frisur erhält nach zwei Ehrenrunden in der zehnten Klasse der Gesamtschule „Paul Dessau“ bei Berlin die letzte Chance auf die mittlere Reife. Wer Ulmen aus der mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Serie „Mein neuer Freund“ kennt, ahnt, was ihn erwartet, und ist doch überrascht, weil „Jonas“ nicht auf Provokation, sondern auf Verständnis und Integration setzt und, wie „Schule“ mit Daniel Brühl, recht genau Sorgen, Probleme und Träume von Pennälern beobachtet. Die Macher verstehen ihr Werk als „Experiment mit einer Kunstfigur im realen Raum“, haben aber mit Wissen von Schülern und Lehrern gedreht.

Herausgekommen ist ein Update von „Die Feuerzangenbowle“ und „Die Lümmel von der ersten Bank“, allerdings ohne den Nostalgie-Effekt des ersten und die Albernheiten des zweiten Films. Der schlurfende Rumhänger Jonas bringt Naivität und Null-Bock-Mentalität ein und Pauker in Pädagogik-Nöte, wenn er ihnen Plattitüden entlockt oder sich in die Musiklehrerin verliebt. Ulmens Hang zur Show geht auf, als er eine Schulband gründet, mit der er eine Cover-Version von „Was hat dich bloß so ruiniert?“ einstudiert. Dazu gibt es Musik von Deichkind, Die Sterne und Helge Schneider. Der Spagat der Doku-Komödie zwischen Realität und Fiktion geht trotz einiger nerviger Szenen größtenteils auf.

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