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Christoph Waltz: Karrierestart in Münster

Lukas Speckmann

Münster - Christoph Waltz ist begehrt. Wenn Österreicher und Deutsche so leidenschaftlich um die Staatsbürgerschaft des Oscar-Preisträgers streiten, wird es höchste Zeit, dass auch Münster Anspruch auf den berühmten Schauspieler erhebt. Als Jan van Leiden im Fernseh-Zweiteiler „Die Wiedertäufer“ (1993) hat er sich ja bereits in die münsterische Filmgeschichte eingeschrieben. Doch nun stellt sich überdies heraus, dass die Fernsehkarriere von Christoph Waltz mutmaßlich in Münster ihren Anfang nahm: 1977 im Mühlenhof. Er spielte einen jungen Mann im Gefolge Kaiser Karls des Großen.

Rudolf Büning kann es bezeugen. Der damals schon mächtig bärtige Münsteraner war nämlich als einer von rund 20 münsterischen Komparsen dabei - und hat mit Erlaubnis des Filmteams die Dreharbeiten mit seiner Super-8-Kamera begleitet. „Es haben viele berühmte Leute mitgewirkt“, erinnert sich der 64-Jährige. Namen wie Ellen Umlauf, Hartmut Reck oder Karl Merkatz sind heute noch geläufig. Und Christoph Waltz natürlich erst recht: Als jüngst die Diskussion um die Staatsbürgerschaft des berühmten Mimen durch die Medien geisterte, erinnerte sich der ehemalige Komparse: „Mit dem habe ich doch auch mal gedreht!“ Seinen 18-Minuten-Film hat Büning mittlerweile digitalisiert und einen Ausschnitt zur Veröffentlichung freigegeben.

An die Dreharbeiten kann sich außer Rudolf Büning kaum noch jemand erinnern. Willi Niemann schon. Der Geschäftsführer des Mühlenhofes war dabei, als das ganze Mühlenhaus ausgeräumt wurde: „Der Boden wurde mit Sand und Torf abgedeckt. Nichts durfte mehr an die Neuzeit erinnern“, erzählt er.

Es ging um eine historische Szene: Kaiser Karl wird anno 800 auf einem Bauernhof mit einem Festmahl empfangen. Dafür wurde eigens ein Ochse am Spieß gebraten. An diesen Ochsen erinnert sich Rudolf Büning mit Grausen: „Tagelang hing er über dem Feuer. Einige aus dem Team haben sich den Magen daran verdorben.“

Auch die Westfälischen Nachrichten berichteten über die Dreharbeiten im August 1977. Demnach wurde der Film im Auftrag der WDR-Tochter WWF von der Bavaria-Atelier gedreht - als zweite von zehn 24-minütigen Folgen einer Geschichts-Serie mit dem Titel „Woher wir kommen“.

Autor war Karl Wittlinger; Prof. Hugo Borger vom Römisch-Germanischen Museum hatte dem süddeutsch-österreichischen Filmteam den Mühlenhof als glaubwürdige Location em­pfohlen. Für den damals 20-jährigen Christoph Waltz muss dies ein Einstieg zur Fernsehkarriere gewesen sein - vor 1977 hat er nichts fürs Fernsehen gemacht.

Was aus der Serie geworden ist und ob sie jemals gesendet wurde, kann niemand so recht sagen. Die „Bavaria Production Services“ bestätigt, dass es sie mal gab, verweist aber auf den WDR. Und in dessen Archiven findet sich nichts. Auch die Agentur von Christoph Waltz ist überfragt. Vielleicht ist Rudolf Bünings Super-8-Film das letzte Überbleibsel...

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