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Special: Kommunalwahl im Münsterland

Coesfeld: Kandidatenfrage birgt Zunder

Coesfeld - Politisch ist Zunder drin bei der Kommunalwahl in Coesfeld, keine Frage. Sachthemen werden die Gemüter kaum zum Kochen bringen. Für Spannung sorgen werden zweifelsohne die Wählergemeinschaften...

Uwe Goerlich

Coesfeld - Politisch ist Zunder drin bei der Kommunalwahl in Coesfeld, keine Frage. Sachthemen werden die Gemüter kaum zum Kochen bringen. Für Spannung sorgen werden zweifelsohne die Wählergemeinschaften.

Denn es sind gleich zwei, die die etablierten Parteien das Fürchten lehren wollen: „Pro Coesfeld“ und „Aktiv für Coesfeld“. Nun könnte man zwar mit Fug und Recht behaupten, wer pro Coesfeld ist, muss auch aktiv dafür sein und umgekehrt. Doch viel mehr Gemeinsamkeiten haben die beiden Wählergemeinschaften denn auch nicht, die bereits jetzt im Rat vertreten sind.

Dabei ist „Pro Coesfeld“ inzwischen sogar die größte Fraktion. Dank „Aktiv für Coesfeld“ übrigens, um noch etwas mehr zur Verwirrung beizutragen. Denn „Aktiv für Coesfeld“ besteht aus einer abgesprengten CDU-Truppe, die aufgrund von Personalquerelen in der Union - die vor knapp einem Jahr ihrem Namen keine Ehre machte - unter eigenem Aktiv-Label zur Kommunalwahl antritt. Einige Sitze sind ihr durchaus zuzutrauen.

Derart positive Erfahrungen haben die Kollegen von der anderen Wählergemeinschaft „Pro Coesfeld“ schon gemacht. Sie wurde bei der vorhergehenden Kommunalwahl aus dem Stand zweitstärkste Fraktion im Rat, bis ihr die Aktiven sogar den Nummer-Eins-Status besorgten. Bis zum Jahr 2004 war die CDU noch unangefochtene Mehrheitsfraktion und bestimmte ohne Koalitionspartner über das Wohl und Wehe der Stadt.

Dann verhoben sich die CDUler allerdings mächtig daran, dass sie die Schließung mehrerer Zwergschulen einleiteten. Das löste einen derartigen Elternprotest aus, dass „Pro Coesfeld“ aus der Taufe gehoben wurde. Natürlich treten auch die anderen etablierten Parteien an: die SPD nur als drittstärkste Kraft und FDP sowie Grüne eher im Schattendasein. Politische Beobachter gehen davon aus, dass es auch nach der Wahl schön bunt bleiben wird im Ratssaal.

Davon gab es vor einigen Jahren noch zwei, doch inzwischen nutzen die Politiker nur noch den im Rathaus. Den zweiten Saal im benachbarten Liebfrauengebäude sollen ab dem Wintersemester 2010 lieber Studierende der Fachhochschule bevölkern, denn Coesfeld wird sehr zur Freude aller Politiker Studienort.

Einigkeit herrscht in der Politik auch hinsichtlich der Frage, was mit der Ende letzten Jahres geräumten Kaserne zu passieren hat. Ein Gewerbegebiet soll dort entstehen, mithilfe von Landesmitteln natürlich. Ein großer Produktionsbetrieb, der Anhänger baut, ist dort schon ansässig. Weitere ernsthafte Interessenten soll es geben.

Also - bei echten Aufregern in Sachfragen heißt es Fehlanzeige. Nicht so bei den Bürgermeisterkandidaten: Dem offensichtlich fest im Sattel sitzenden Amtsinhaber Heinz Öhmann (CDU) tritt der Amtskollege aus Velen, Ralf Groß­Holtick, entgegen und rüttelt mit Unterstützung von „Pro Coesfeld“ keck an der Rathauspforte. Und dann ist da noch Horst Schürhoff, ein SPD-Urgestein aus dem Vorort Lette. Der Pensionär will es noch einmal wissen und versucht, mit Volksnähe zu punkten. Da könnte es zum Endspurt also noch richtig Zunder geben.

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