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Cine-Lenz

"Crank 2": Spezialeffekte mit Kraftwerksunterstützung

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In „Crank 2 – High Voltage“, dem jetzt im Kino gestarteten zweiten Teil einer reichlich durchgeknallten Action-Groteske, muss sich der Held Jason Statham diesmal nicht nur diverser asiatischer Bösewichter erwehren. Er muss sich obendrein auch noch regelmäßig unter Strom setzen, weil ihm die Batterie seines von Feindeshand implantierten Ersatzherzens verlustig ging.

Für Faszination hat Strom, egal ob Stark-, Schwach-, Gleich- oder Wechselstrom, im Kino jedenfalls schon immer gesorgt, und das nicht nur, weil auch der Projektor ohne Anschluss an die Steckdose kalt und still bleiben würde. Der stete Fluss der Elektronen verteilt Energie – und was wäre ein Film, wenn nicht zuvorderst Energie?

Stathams Figur Chev Chelios in „Crank 2“ ist allein schon deshalb nicht der einzige Filmheld unter Volt (Spannung) und Ampère (Stärke): In alten und neueren Frankenstein-Filmen erhebt sich auch das vom Doktor geschaffene Monster unter zuckenden Stromblitzen ins Leben. Die Energie fährt ihm sozusagen direkt in den zusammengeflickten Körper.

Es gibt einen schönen, kleinen japanischen Film namens „Electric Dragon 80 000 V“, der vor ein paar Jahren auch in deutschen Kinos lief: Darin klettert ein Junge auf einen Strommast, wird dort böse elektrifiziert, und Jahre später läuft er als Elektro-Mann, dem die Stromstöße nur so aus den Fäusten zucken, durch Tokio – eine ganz spezielle Godzilla-Variante also.

In „Wall-E“ dagegen, dem letztjährigen Animationsfilm-Meisterwerk, knipst sich der wackere Müllroboter auf dem Erdenschrottplatz nächstens selbst den Stromschalter aus, um sich schlafend zu erholen. Und wie dramatisch-traurig es ist, wenn sich seine angehimmelte weiße Späh-Drohne dann später selbst vom Netz nimmt, wird wohl niemand mehr vergessen, der es gesehen hat: Stromzufuhr als Gefühlsanzeiger.

Der gepflegte Stromschock tut derweil nicht nur in „Crank 2“ sein Gutes: In der witzigen Gesundheitskult-Farce „Willkommen in Wellville“ (1994) riet Wellness-Urahn Dr. Kellogg (Anthony Hopkins) seinen Patienten Anfang des 20. Jahrhunderts zu heilsamen E-Stößen, und was wären überhaupt Krankenhausserien und Krankheitsdramen ohne den Defibrillator? Der Mensch an der Schwelle des Todes, die Herzschlags-Flatline piept auf dem Monitor: Da helfen nur die harten Elektrostöße.

Wie groß das Faszinosum Strom ist, wenn dessen Energie ihre zerstörerische Macht durchscheinen lässt, zeigt sich im Kino nicht nur, wenn etwa im Magier-Epos „Prestige“ David Bowie als Erfinder der elektrisch hochfrequent knisternden Tesla-Spule (zur Erzeugung von Hochspannungs-Wechselstrom) zum Ideengeber neuer Zaubertricks wird.

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