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Filmrezensionen

"Crazy Heart": Singen für die nächste Flasche

Gian-Philip Andreas

Am kommenden Sonntag könnte passieren, was lange fällig ist: Der wunderbare Jeff Bridges, der diese Woche auch in „Männer, die auf Ziegen starren“ zu sehen ist, dürfte, zum fünften Mal nominiert, endlich seinen Oscar bekommen - für seine Rolle in „Crazy Heart“.

Der Film selbst ist nicht sonderlich originell. Er erzählt mal wieder die Geschichte vom gefallenen Star, der sich am Ende einer erfolgreichen Karriere der Gosse nähert, dem Alkohol zugeneigt ist und eigentlich nicht mehr, und wenn doch, dann nur durch die Liebe einer Frau (hier: Maggie Gyllenhaal) zu retten ist. Vielleicht aber doch auch wieder nicht.

Gegen die Johnny-Cash-Bio „Walk the Line“ und vor allem die Mickey-Rourke-Wiederbelebung „The Wrestler“ fällt Scott Coopers vor allem gegen Ende arg konventionell gestricktes Regiedebüt, die Leidenstour eines von Musik ebenso wie vom Whisky beseelten Countrysängers, deutlich ab.

Doch wegen Bridges, dem genialen Minimalisten, muss man den Film sehen. Nicht weil er die Songs selbst singt, sondern weil er in jeder Geste und jedem Blick mehr über Enttäuschung, Restwürde und trotzige Hoffnung erzählt als manch hitziges Melodram in Stunden. Zu gönnen wäre er ihm, der Triumph am kommenden Sonntag.

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