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„Da musste man stark sein“

Peter Beckmann

Reckenfeld - Es war schon eine verdammt harte Zeit für die Familie Allebrod. „Da musste man schon wesensstark sein, um dass durchzustehen“, erinnert sich Kirsten Hengst-Allebrod an die Jahre um 1990 herum. Als Manta-Fahrer hatte man es da nicht leicht, war Ziel von vielen Witzen und Spötteleien. Auch das wäre alles zu ertragen gewesen. „Aber das war schon manchmal kriminell, was da abgelaufen ist“, erinnert sich Helge Allebrod an diese Zeit. Teilweise wurden Manta-Fahrer zusammen geschlagen, auf der Autobahn von anderen schnellen Fahrzeugen lebensgefährlich geschnitten. „Ein Bekannter hat einen Job nicht bekommen, nur weil er einen Manta fuhr.“ Vorbei, vergessen. Heutzutage kann auch ein Mantafahrer ein ganz normales Leben führen. Auch die Allebrods haben diese schwere Zeit überstanden, sind währenddessen ihrem Manta treu geblieben. Gestern wurde der blaue Manta B übrigens auf den Tag genau 30 Jahre alt und bekommt nun endlich das langersehnte H-Kennzeichen als Oldtimer.

Doch von Anfang an: Helge Allebrods erstes Auto war - wie könnte es anders sein - ein Manta. Das Auto überzeugte ihn. „Der Manta ist sportlich, bietet wesentlich mehr Platz als andere Autos und ist absolut zuverlässig“, verdeutlicht er. Besonders letzteres war ausschlaggebend und so wurde auch der zweite Wagen ein Manta. Den hat Allebrod bis heute behalten. „Jedes mal, wenn wir uns ein neues Auto gekauft haben, wollten wir den Manta eigentlich verkaufen“, erzählt Kirsten Hengst-Allebrod. Doch bei jedem, der Interesse zeigte - vornehmlich junge Burschen, die gerade einen Führerschein hatten - dachten sie: „Der bekommt den nicht.“

Und so blieb der Manta immer als Zweitwagen in der Garage. Nach und nach baute Helge Allebrod die Veränderungen, die er an dem Auto vorgenommen hatte, zurück. Denn das Auto sah einst aus, wie man sich landläufig einen Manta vorstellt: Tiefer gelegt, dicke Pellen, Spoiler. „Als wir das erste Mal mit dem Auto im Originalzustand zu einem Manta-Treffen fuhr, wurden wir noch ausgelacht. Heute sieht man immer mehr Mantas, die wieder wie das Original aussehen“, weiß Allebrod.

Viel Arbeit hat Allebrod in das Auto und auch in den zweiten Manta, den er sich zulegte, gesteckt. Die Besonderheit bei dem blauen Auto ist die ebenfalls blaue Velour-Ausstattung des Innenraums inklusive des Himmels. „Das sieht man nur ganz selten“, sind die Allebrods sichtlich stolz.

100 PS hat das Auto, die Zwei-Liter-Maschine verbraucht acht Liter. Und das Auto hat weitere Besonderheiten. So ist die Quarz-Uhr in dem Auto Bestandteil der Sonderausstattung der Berlinetta-Version. Hinzu kommen „Nebelschlussleuchte, Ausstellfenster hinten, ein von innen verstellbarer Außenspiegel und ein Vier-Speichen-Komfortlenkrad“, wie es in dem noch erhaltenen Werbeprospekt angepriesen wird.

Kirsten und Helge Allebrod haben mit dem Auto immer viel Spaß gehabt. Auch in den Zeiten, als Manta-Witze Hochkonjunktur hatten. „Wir haben uns teilweise einen Spaß daraus gemacht, den Vorurteilen der Leute gerecht zu werden.“ So wurde beispielsweise schon mal eine Bekannte aus dem Friseur-Salon abgeholt, sehr zur Freude der Passanten.

Aber dieser ganze Manta-Hipe hat sich inzwischen gelegt. Und heute bekommt der Manta passend zum 30. Geburtstag anstatt der roten Nummern das H-Kennzeichen, womit er nun als Oldtimer anerkannt ist. „So ist das Auto jetzt auch endlich im Alltag nutzbar“, freut sich das Paar.

Kirsten Hengst-Allebrod ist übrigens nicht Friseuse von Beruf. „Das bin ich auch nie gewesen“, sagte sie und lacht schallend . . .

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