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Cine-Lenz

"Daddy ohne Plan": Actionstars als Softies

Gian-P. Andreas

Besonders Action-Recken sieht man irgendwann nicht mehr mit Wumme, sondern mit einem Kleinkind im Arm durchs Lichtspiel latschen. Jetzt ist also „The Rock“ dran: Dwayne Johnson, sonst als „Scorpion King“ und Wrestling-Star unterwegs, spielt in „Daddy ohne Plan“ einen Daddy ohne Plan. Und ist damit nicht der erste, der die Zielgruppe verschreckt.

Denn wie groß war beispielsweise der Aufschrei, als Arnold Schwarzenegger (heutzutage ökologisch angegrünter Gouvernator, früher mal anabolikabefeuerte Kampfmaschine) Mitte der Neunziger plötzlich ein Baby bekam: In der relativ lächerlichen Klamotte „Junior“ gebar er nach künstlicher Befruchtung Nachwuchs und verschreckte, bebrillt und weicheiersoft, die Fans. Trotzdem wurde er für einen Golden Globe nominiert.

Bruce Willis hat’s schon mehrfach versucht: In „The Kid“ (der Titel erinnert ganz bewusst an Chaplins Meisterwerk) begegnete er als rüder Firmenberater seinem eigenen Ich im Alter von acht Jahren, was in einer sentimentalen Disney-Schnulze endete und recht erfolgreich wurde. Damit konnte er den Flop „North“ neutralisieren, in dem er dem damals noch kindlichen Elijah Wood am Nordpol zur Seite stand – im rosa Hasenkostüm. Am besten war er jedoch zusammen mit dem heute vergessenen Ex-Kinderstar Haley Joel Osment in „Sixth Sense“. Sein Part in diesem Psychothriller gilt als eine seiner besten Leistungen – trotz oder gerade wegen des Kindes an seiner Seite.

Darüber würde Chuck Norris nur grimmig lachen. Der vollbärtige Haudegen, der in den 80ern mit diversen Söldnerfilmen im Kino stattfand und mit Gewalt so ziemlich alles löste, ging vor drei Jahren in Rente, nachdem seine Filmkarriere als zynischer Brutalo-Klopper buchstäblich vor die Hunde fiel: In „Top Dog“, seinem letzten echten Kinofilm, war sein Dialogpartner ein Schäferhund. Zuvor hatte er es auch schon mit einem Kind versucht („Sidekicks“), doch auch das ging schief. Norris hätte die Kinder-und-Tiere-Regel auf jeden Fall beachten müssen.

In anderen Fällen ging es aber gut. Ob nun John Travolta mit „Kuck mal, wer da spricht“ oder Tom Selleck in „Drei Männer und ein Baby“ – sie landeten damit Highlights ihrer Karrieren, zumindest rein einspieltechnisch betrachtet.

Und auch bei Dwayne „The Rock“ Johnson sollte man nicht zu früh die skeptischen Brauen heben. Denn nach seinen Grunz- und Brummel-Dialogen in „Walking Tall“ oder „Die Mumie“ kann er als planloser Daddy schauspielerisch eigentlich nur hinzugewinnen.

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