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Ansgars Elternzeit

Das bisschen Haushalt

wn

"Mach nichts, was du nicht kannst", hat mir ein Fußballtrainer früher gerne zugerufen. Olivia folgt offensichtlich einem anderen pädagogischen Konzept. "Die Küche müsste mal wieder gewischt werden," ruft sie mir zum Abschied zu und nimmt wenig Rücksicht auf persönliche Vorlieben. Genaugenommen kann ich natürlich wischen, ist ja nicht so schwer. Aber auf meiner Liste der Dinge, ohne die die Welt ein schönerer Ort wäre, käme nach Krieg, Schlafzimmer renovieren und Bügeln schon sehr bald das Wischen.

Die Betreuung von Theo ist der eine (schöne) Teil der Elternzeit, die Leitung der Abteilung Hauswirtschaft der andere. Vornehmlich müssen für diese Aufgaben zudem noch die wertvollen und raren Schlafzeiten von Theo genutzt werden, weil der kleine Mann in Sachen Wohnungspflege keine wirklich große Hilfe ist. Zwar hilft er gerne, die Spülmaschine auszuräumen, um dann in deren feuchten Inneraum die täglichen Wartungsarbeiten vorzunehmen, mehr ist aber nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Theo ist in Sachen Reinlichkeit sehr großzügig. Ein frisch gewischter Küchenboden beeindruckt ihn ebensowenig wie frisch gewaschene Bodys und Pullover, da wird nach Herzenslust gebröselt und gekleckert. Nach dem Wischen, ist vor dem Wischen, so hätte es Sepp Herberger formuliert. Hätte es in der klassischen Antike schon Elternzeit gegeben, dann hätte Sisyphus sicher nicht den schweren Stein den Berg hochrollen müssen.

Aber genug gemeckert, mit der nötigen Routine ist das alles zu schaffen. Dann ist das Essen für alle Beteiligten pünktlich auf dem Tisch, die Wohnung halbwegs sauber und nach mehreren Anläufen auch die Vorratshaltung auf dem aktuellen Stand. Und wenn dann alles erledigt ist, steht man stolz vor dem Spiegel - und erschrickt vor einer bleichen Gestalt mit struppigem Sechstagebart.

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