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Anschlag in Marrakesch

Das Gift des Terrors

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Bilder vom Jamaa el-Fna - dem Tag und Nacht bevölkerten Platz der Gaukler und Händler - zieren zahllose Fotoalben. Seit Donnerstag erzählen diese Szenen eine weitere Geschichte: Sie entstanden an einem Ort, an dem Menschen dem hinterhältigen und blutigen Terror zum Opfer fielen. Jeder Marrakesch-Besucher kennt die Dachterrasse des „Argana“, viele den faszinierenden Ausblick. Gestern herrschte dort blankes Entsetzen.

Das arme und mit Problemen behaftete Königreich Marokko, das den europäischen Tourismus als Einnahmequelle dringend braucht, wurde von den Attentätern schwer getroffen. Sie töteten von Hass getrieben gezielt die ausländischen und aus ihrer Sicht ungläubigen Gäste und verwundeten das Land.

Marokko, in dem Mohammed VI. als moderner Unternehmer regiert und die Hinführung zu einer parlamentarischen Monarchie angekündigt hat, wird nun schnell in die Reihe der vielen Krisenherde der arabischen Welt gestellt werden. Tatsächlich ist die Lage im Land trotz sozialer Konflikte weit vom libyschen Bürgerkrieg oder Chaos im Jemen entfernt.

Das Land suchte in der aufgeheizten Situation bisher den eigenen Weg: Eine Reformpolitik für die Menschen ohne den Straßenkampf als Begleitmusik. Das Attentat von Marrakesch darf sich nicht als Gift für die wichtigen Veränderungsprozesse erweisen.

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