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Filmrezensionen

„Das Leben ist zu lang“: So schön ist´s beim Film

Hans Gerhold

Der Familienvater, Hypochonder und jüdische Regisseur Alfi Seliger (Markus Hering, Double von Henry Hübchen in „Whisky mit Wodka“) hat lange keinen Film mehr gedreht. Seine Ehefrau (Meret Becker) und seine Tochter finden ihn peinlich.

Und so sieht Seliger, der mit dem Drehbuch in der Jutetasche in der Branche betteln geht, sein Leben den Bach runtergehen. Aus dieser Vorgabe inszeniert Dani Levy (Bundesfilmpreise Lola für „Alles auf Zucker!“ und „Mein Führer“) eine selbstironische, intelligente Tragikomödie, die viel von Woody Allen (der von „Stardust Memories“ und „Stadtneurotiker“) hat und eigene Traumata verarbeitet.

Vor allem in der ersten Hälfte ist die Story vom Nebbich, dem liebenswerten Loser, der von der (überflüssigen) Darmspiegelung zur Party, vom Altproduzenten (à la Atze Brauner) zum Synchronstudio, von der Therapiesitzung (mit Udo Kier als Seelenklempner) zur Miniserie für RTL und von der Altbauwohnung in Berlin zur Preisverleihung fürs Lebenswerk in Italien eilt, sehr unterhaltsam. Die Lacher gehen auf Alfis Kosten, enthalten viele Spitzen gegen die Branche, legen Eitelkeiten frei und Seelenwunden offen.

Als Film-im-Film öffnet sich Levys kleiner Bruder des unerreichten Jahrhundertfilms „8 1/2“ (von Fellini), in der zweiten Hälfte der Selbstreflexion, wenn Levy als Regisseur auftritt und seine Figur in die Schranken weist.

Das Ganze ist, bis in Sekundenauftritte hinein, gespickt mit (Alt-)Stars und Sternchen, die teils sich selbst spielen, alle eine Erwähnung verdient hätten und für die hier stellvertretend Justus von Dohnanyi (Lover der Ehefrau), Veronica Ferres (Frau des Filmmoguls), Gottfried John (Altstar), Heino Ferch (Arzt), Yvonne Catterfeld im sexy Bikini und Elke Sommer als herrlich dominante Mutter des unseligen Alfi genannt seien.

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