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Stuttgart 21 in der Schlichtung

Das Lernprojekt

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Stuttgart 21 - Schlichtung live: Das Zeitalter der Mediendemokratie ist um eine Variante reicher. Vorerst einmalig - aber am Ende des Tages auch mit wenig spektakulären Erkenntnissen. Experiment gelungen? Vermittler Heiner Geißler hat es zumindest geschafft, Gegner und Befürworter des umstrittenen Bahnprojekts mit seiner Autorität in die Schranken zu weisen. Die Positionen bleiben unversöhnlich.

Eines bleibt am Ende des Tages positiv festzuhalten: So viel Öffentlichkeit bei einer Schlichtung gab es in Deutschland noch nie. Der Showdown vor den Live-Kameras fand gestern im Stuttgarter Rathaus nicht statt. Um die eigene Glaubwürdigkeit nicht zu verspielen, waren alle Seiten gezwungen, Fakten auf den Tisch zu legen. Zumeist ist dies gelungen. Also: Keine Wut-Probe, keine Talkshow, keine Kür von Selbstdarstellern, sondern harte, mühsame Pflicht, bei der die Sache im Vordergrund stand.

Ein Bahnhof verändert die Republik. Das Milliardenprojekt wird zum Lernprojekt für Politik, Bürger und Betreiber - in diesem Falle die Bahn. Weil es keinen Mittelweg, weil es keine Einigung geben kann, werden Rechtsstaat- und Demokratieprinzip auf eine Bewährungsprobe gestellt. Beides ist elementar für den Zusammenhalt der Bürgergesellschaft. Der Rechtsstaat ist bei Stuttgart 21 ohne Zweifel zum Zug gekommen. Auf der Strecke aber blieb das Vertrauen der Bürger. Hier gilt es, die Weichen zu stellen. Eine neue öffentliche Debattenkultur könnte für künftige Großprojekte richtungweisend werden.

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