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Der Himmel über der Kunst

Das neue Westfälische Landesmuseum nimmt allmählich Gestalt an

unserem Redaktionsmitglied Johannes Loy

Münster - Nein, noch ist nicht Richtfest. Aber das neue, größere und schönere Westfälische Landesmuseum, Flaggschiff aller Museen Westfalens, nimmt nach den Plänen des Berliner Architektenbüros Staab am Domplatz in Münster allmählich Gestalt an.

Zurzeit noch in Form von Betonwänden, Stahlmatten und riesigen Fensterausschnitten. Demnächst allerdings kommt das Dach drauf. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold hat sich längst an das Leben in, an und auf der Baustelle gewöhnt.

Mehr noch: Vor seinem geistigen Auge entstehen schon fertig ausgestattete Ausstellungsräume, wo der neugierige journalistische Baustellenbesucher im Moment nur Waschbeton sieht. Auch nach außen hin wirkt der Neubau des Landesmuseums noch nicht besonders anziehend. Das wird sich ändern.

Denn es wird abschließend noch der feine Sandstein aus Polen aufgebracht, erläutert Baustellenleiter Andreas Igel, Mitarbeiter des Architektenbüros Pfeiffer, Ellermann und Preckel aus Münster.

Rund 20 behelmte und gut beschuhte Journalisten bevölkerten gestern die Baustelle. „Hier sind wir jetzt im Leseraum und schauen auf den offenen Patio“, sagt Hermann Arnhold im Erdgeschoss. Das neue Landesmuseum ist in erster Linie auch eine geniale „Architektur der Höfe“.

Vom Domplatz aus wird der Museumsbesucher oder der neugierige Café-Gast bis zur Rothenburg durchschlendern oder auch im Museum verweilen können. Der Patio mit seinen rund 35 Metern Länge und 13 Meter Breite ist der zen­trale „Innenhof“, in dem künftig bis Mitternacht gelesen, geplaudert, konzertiert oder auch Videokunst bestaunt werden kann.

Über noch dunkle Betontreppenhäuser geht es nach oben. „Hier sehen wir den zentrale Lastenaufzug“, erklärt Andreas Igel. Selbst sperrigste Gemälde oder ausladende Kunstwerke der Moderne haben hier Platz, um bis ins zweite Obergeschoss transportiert werden zu können.

Wenige Schritte weiter gibt Hermann Arnhold wieder ein Stoppsignal: „Das ist ein Brücken- oder Intervall-Raum. An vier bis fünf Stellen kann der Besucher künftig beim Gang durch die ständige Sammlung Pausen einlegen und in den Innenraum des Museums schauen.“

Deutlich wird: Das neue Landesmuseum ist transparent. Vom so genannten Intervallraum geht der Blick sowohl nach innen zum „Patio“ wie auch nach außen zum geschäftlichen Treiben an der Ecke Rothenburg/Aegidiimarkt. Hermann Arnhold weiß natürlich schon, wo künftig was stehen und Wirkung entfalten wird: „Dort in dem acht Meter hohen Raum wird das Borghorster Kreuz hängen.“ Wenige Schritte weiter sieht er vor seinem geistigen Auge den Raum der Täufer- und Reformationsgeschichte, wieder ein paar Räume weiter den „Wrangelschrank“, ein kostbares und repräsentatives Möbelstück aus dem 16. Jahrhundert. An Raum und Räumlichkeiten wird es nicht mangeln.

Im zweiten Obergeschoss gibt die „Tageslichtdecke“ den Blick auf den gigantischen Kran frei, der dort Tag für Tag rotiert und schwere Lasten hierhin und dorthin verfrachtet. Im zentralen mittleren Raum unter dem Dach könnte künftig zum Beispiel das Mongolenzelt von Nam June Paik stehen. Das auf Beleuchtung spezialisierte und international renommierte Büro „Licht Kunst Licht“ wird das Tageslicht mit dem Kunstlicht so mischen, dass für jeden Ausstellungszweck die ideale Beleuchtungsstärke erreicht wird.

Noch ist die Baustelle ein Wirrwarr, aber die ersten Konturen schälen sich auch außen heraus. Von den großen Fenstern bis hin zur „Hammerspitze“ am Domplatz, in deren Fuß künftig der Vortragssaal seinen Platz haben wird. Und wenn man den Blick über die urbane und museal vielfältige Situation an Domplatz und Pferdegasse schweifen lässt, dann könnte man auch jetzt schon von einem münsterischen „Museumsquartier“ schwärmen.

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