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Das „Spectaculum“ betört die Sinne

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Borken (bus). Für die Familiensippe „Grabakur“ (Drachengruppe) wird gerade ein neuer Banner gestickt. Der Jütländer hat den Knopf aus einem Lederstück geknotet und kann damit seinen Schuh reparieren. „Verachte Bettelmänner nicht!“ ist die Moral von der Geschicht, die Cave Cantoris, übersetzt „Hütet euch vor den Sängern“, zu Gehör bringen. Mit reichlich Handgeklapper werden die Spielleut belohnt. Wir sind mittendrin, im mittelalterlichen Phantasie Spectaculum, dem größten reisenden Mittelalter Kultur Festival der Welt auf dem weitläufigen Pröbstinggelände. Es wird gefilzt, geschmiedet, gedrechselt, getöpfert, das Beil geworfen oder der Bogen gespannt.

138 Händler und Handwerker, 500 Bauten und Installationen sowie 600 Mitwirkende ließen am Wochenende am Pröbsting längst vergessenes Leben und Handwerk sehen, fühlen, riechen, hören und schmecken. Kreuzritter Oliver mit seinem Golden-Retriever-Labrador Rex ist einer der unzähligen Besucher in phantastischen Gewandungen und Rüstungen. Der Elfjährige hat nicht nur das Kostüm gekauft und besucht möglichst viele Mittelaltermärkte. Im elterlichen Garten in Billerbeck steht gar eine selbst erbaute Ritterburg.

In alten Trachten schlendert das Paar aus Kleve und Ibbenbüren entlang zahlreicher Heerlagergruppen aus ganz Deutschland, die ihre Lager aufgebaut haben. Feuerstellen, Strohballen und Fackeln fehlen nirgends.

„Das mittelalterliche Leben ist unser Hobby.“ Aaron und Fiona van der Velden (beide 40 Jahre alt) ziehen seit zwei Jahren mit ihrer Keramikwerkstatt über die Märkte und zeigen, wie zum Beispiel eine dreiflammige Öllampe oder eine Feuerschale entsteht.

„Die Trunkenkobolde.de“ ist auf dem Banner einer großen Truppe zu lesen. Auf Mittelaltermärkten hätten sich immer mehr Freunde mit dem Virus infizieren lassen, ist zu hören. 16 Erwachsene und Kinder aus Osnabrück, Ochtrup, Dortmund oder Rheine gehören mittlerweile zur „Familie“.

„Im Mittelalter gab es immer viele Kinder. Die gehören einfach dazu“, äußert sich Anjana von Albion, die ihren eineinhalbjährigen Zwillingen Merle und Connor gerade Gänsewein und Haferbrot anbietet, sehr zufrieden. Außerdem könne man „in großen Lagern am besten mit Freunden leben.“

In Tuniken mit klassischer Haube mit Sonnenrand für Mädchen und Bonnet für Jungen als Kopfbedeckung sind die beiden optimal gegen das Sonnenlicht geschützt.

„Fictum“ ist eine der besonders aktiven Gruppen. Die Tschechen haben sich auf packende Show-Kampfspiele und Gefechte spezialisiert und präsentieren diese auf höchstem Niveau. Unter herrlich sonnigem Himmel präsentieren Narren, Gaukler, Ritter, Zauberer, Jongleure, Musikanten und Bettler außergewöhnliche Animationen und Aktionen, die beim Publikum bestens ankommen.

Eduard von Sonnenberg alias Edwin Ball ist der „Vogt“ von 23 Festivals in ganz Deutschland, die er von April bis Oktober formiert. Als erster Mann des Platzes spricht der Dinkelsbühler Recht, erteilt Genehmigungen, achtet auf Qualität - eben wie in mittelalterlichen Zeiten, erzählt der Marktvogt, während er sein „Rauchkraut“ ausdrückt.

siehe auch Westfalen-Seite

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