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„Der Architekt“: Urdeutsche Seelenqual

Gian-Philip Andreas

Josef Bierbichler, das ist bekannt, veredelt jeden Film. Selbst „Der Architekt“, das Spielfilmdebüt der Schauspielerin Ina Weisse, wird durch die Urgewalt dieses Mimen erträglich. Bierblicher („Im Winter ein Jahr“) spielt Georg Winter, einen mürrischen Hamburger Architekten, der es gewohnt ist, zu entwerfen und aufzubauen, während um ihn herum alles in Trümmern liegt, vor allem seine Familie.

Nach dem Tod seiner Mutter muss er samt Familie ins schneeverwehte Tiroler Kaff seiner Heimat reisen - und alles, was man Familien im Film an Dysfunktionalität aufbürden kann, hat Weisse den Winters (der Name ist schließlich Programm) als Päckchen zu tragen gegeben. Winters Frau verzweifelt am sexuellen Desinteresse des Gatten, der Sohn (Matthias Schweighöfer) soll gegen seinen Willen Architekt werden und treibt lieber seltsame Dusch-Spiele mit seiner verhuschten Schwester (Sandra Hüller).

Es gibt eine alte Affäre (Sophie Rois), bald schon ein uneheliches Kind, und als Georg Winter fliehen will aus dieser bestürzend herkömmlichen Geheimnishölle, kracht eine Lawine hernieder. Eingesperrt in den verschneiten Bergen zerfleischt sich die Familie fortan selbst, und ab der Hälfte schleppt sich der Film bleiern und mit urdeutscher Todesahnung dahin. Zugegeben: Die Winterbilder sind aufregend, die Darsteller von Format. Doch ohne Bierbichler, den man in „Hierankl“ in einem weitaus spannenderen Bergdrama erleben konnte, wäre all das nur die Hälfte wert.

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