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Der Aufschwung wackelt

Andreas Fier

Münster - Neuer Höhepunkt der Finanzkrise: Der Zusammenbruch des amerikanischen Baufinanzierers Indymac hat die deutschen Märkte am Dienstag kräftig durchgeschüttelt. Während der Euro zeitweise ein neues Rekordhoch von 1,6038 US-Dollar erreichte, sackte der Dax auf ein Jahrestief und rutschte unter die Marke von 6100 Zählern.

Wirtschaftsfachleute sahen zudem dunkle Wolken aufziehen. Nach Einschätzung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sind die Aussichten für die kommenden sechs Monate so schlecht wie noch nie. Das Mannheimer Institut befragt seit 1991 Finanzexperten und bildet daraus einen Konjunkturindex. Auslöser seien jetzt rückläufige Auftragseingänge bei den Unternehmen, so das ZEW. Schuld sind das teure Rohöl und der starke Euro.

Laut Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, befindet sich Deutschland vor einer Stagnation. „Wir haben den Höhepunkt des Aufschwungs hinter uns“, sagte der Wirtschaftsweise. Die jüngsten Lohnerhöhungen hätten den Konsum nicht belebt. „Unter dem Strich bleibt für viele Privathaushalte eher weniger als mehr übrig.“ Vertreter der Mineralölbranche schlugen derweil vor, die Steuern für Kraftstoffe vorübergehend um zehn Cent senken.

Unterstützung erfährt Bofinger durch eine GfK-Umfrage im Auftrag der WGZ-Bank nach der jeder Zweite seine finanzielle Situation als mittelmäßig einschätzt. 20 Prozent sagen sogar, ihre finanzielle Lage sei schlecht oder sehr schlecht. Alleinstehende beurteilen ihre Lage dabei deutlich schlechter ein als Verheiratete.

In den USA hat die Finanzkrise die Sparer unterdessen in helle Aufregung versetzt. Indymac-Kunden standen erneut Schlange, um ihr Geld abzuheben. Das milliardenschwere Rettungsaktion für die angeschlagenen Banken Fannie Mae und Freddie Mac zeigte indes keine Wirkung. Der Präsident der US-Notenbank, Ben Bernake, sagte am Abend, die Wirtschaft seines Landes befinde sich in einer schwierigen Lage. Die Aktienkurse brachen daraufhin weiter ein.

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