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MV Namensforscher

Der Bösker wohnte im oder am Wald

wn

Guido Bösker aus Rheine hat festgestellt, dass sein Familienname vor allem im Raum Steinfurt und Umgebung vorkommt und meint, dass er vermutlich auch hier entstanden ist. Die meisten der knapp 100 Namensträger leben in der Tat in der Region Rheine/Hörstel, einige Bösker finden sich aber auch in anderen Gegenden, unter anderm in Ostfriesland sowie in den Niederlanden.Schaut man im Münsterland nach ähnlichen Familiennamen, stößt man zunächst auf die Namensformen Büsker, Büschker und Beusker. Weiter finden sich in Nordwestdeutschland und in den angrenzenden Gebieten der Niederlande die Namen Büüsker, Bosker, Boschker, Buisker und Busker.

Allen Namensformen gemeinsam ist die Endung -ker. Diese Endung kann aber zweierlei Ursprungs sein. Einerseits kann es sich um das namenbildende Element -ker handeln, mit dem in Nordwestdeutschland und in den Niederlanden vor allem Wohnstättennamen (wie Venker „wohnt im Fenn“) und Berufsnamen (wie Pöttker „Töpfer“) abgeleitet wurden. Andererseits kann -ker auch als Bildung mit -er zu einem Wort- oder Namenstamm gehören, der auf -k endete. Beide Möglichkeiten kommen bei Bösker in Betracht.

In den meisten Fällen wird es sich bei Bösker um einen Wohnstättennamen handeln, mit dem der erste Namensträger aufgrund seines Wohnsitzes am Bos (Busch, Wald) benannt wurde. Das Wort für „Busch“ erscheint in den Mundarten in mehreren Varianten, zum Teil mit einfachem -s (Bus, Bos), zum Teil mit -sk (Busk, Bosk), zum Teil mit -sch (Busch, Bosch, Büsch, Bösch). Formal ist daher nicht zu entscheiden, ob Bösker mit -ker vom Wort Bos abgeleitet wurde, oder ob das gleichbedeutende Wort Bosk zugrunde liegt, an das -er angefügt wurde. Die Bedeutung ist in jedem Fall identisch, gemeint war der Anwohner eines Waldes.

Waldstücke, Büsche und Gebüsche gab es natürlich in oder bei jeder Siedlung, sodass ein Beiname mit der Bedeutung „Anwohner des Waldes, des Busches“ absolut gesehen keine eindeutige Identifizierung der namengebenden Örtlichkeit erlaubt. Die Zeitgenossen des ersten Trägers des Beinamens aber wussten genau, welche Stelle gemeint war. Eine ganz entsprechende Situation liegt bei den Nachnamen vor, die nur aus dem Stellennamen bestehen, so etwa Busch, Bosch oder in Verkleinerungsform Bösken, Bösgen, Büsgen, Büssgen, Büßgen, Büsken, Büschgen, Wäldchen, Höltgen, Hölzchen, Hölzgen und Hölzken, die alle „Wäldchen“ bedeuten. Bei den oben angeführten ähnlichen Familiennamen ist die Situation ganz entsprechend. Teilweise sind aber auch andere Bedeutungen möglich. In Ostfriesland kann sich der Name Büsker ebenso wie Buisker auf die Schiffsbezeichnung Büse/niederländisch buis „Heringsfänger“ beziehen, dann liegt ein Berufsname des Heringsfängers vor.

Im Kontaktgebiet zum Niederländischen können Bosker, Boschker und vielleicht auch Bösker als Varianten des holländischen Namens Bosscher/Busscher „Holzarbeiter, Holzhacker, Waldbeamter“ entstanden sein.

Schließlich kann Bösker auch als patronymische Bildung („Sohn von Böseke“) zu diesem Kosenamen gebildet sein, der zum alten Rufnamen Boso, Bose, Bos gehörte.

Winfried Breidbach

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