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MV Namensforscher

Der erste Saatkamp wohnte am Saatfeld

wn

Leserin Irene Saatkamp möchte gerne den Ursprung des Familiennamens erfahren. Sie weiß nur, dass im Raum Ibbenbüren mehrere Saatkamps leben. Dies ist richtig, noch häufiger ist der Name aber in Lengerich und in Tecklenburg. Insgesamt gibt es über 500 Träger des Familiennamens Saatkamp, der heute zwei Namenzentren aufweist. Dies sind erstens die schon genannten Orte im Kreis Steinfurt, zweitens ist dies die Region in und um Dortmund in Südwestfalen. Ältere historische Belege des Namens aus Südwestfalen sind nicht zu ermitteln. Da diese Region zum Ballungs- und Zuzugsgebiet Rheinland/Ruhrgebiet zählt, das im Zeitalter der Industrialisierung Hunderttausende von Menschen aus nah und fern anzog, ist anzunehmen, dass die Vorfahren aus dem nördlichen Münsterland zugezogen sind.

Heute gibt es keine Varianten des Familiennamens, die Schreibung Saatkamp hat sich gegenüber früheren Namensformen durchgesetzt. Ältere Schreibungen gab es mehrere: Satkamp, Satcamp, Sathkamp, mit Dehnungs-e Saetkamp, mit Dehnungs-h Sahtkamp, mit Doppel-a Saatcamp und Saathkamp, mit Entstellung von -kamp zu -kampf Saatkampf(f), Sathkampff und Saathkampff. Dazu kommen die Genitivnamen Saatkamps und Sathkampffs sowie die abgeleiteten Namensformen Saatkämper, Saatcämper, Saetkämper und Saatkemper.

Mit Ausnahme eines alten Belegs aus Bad Bentheim kommen diese historischen Namenzeugnisse überwiegend aus den Orten Lengerich und Tecklenburg, hier ist ein sicheres Heimatgebiet des Namens anzunehmen.

Das Nebeneinander von Namensformen mit -kamp und -kämper zeigt eindeutig, dass ein Wohnstättenname vorliegt. Diese Annahme wird gestützt durch einen allerdings vereinzelten und späten Beleg von 1735 „zum Saatkamp“ aus Tecklenburg.

Was bedeutet nun Saatkamp? Das Grundwort ist mittelniederdeutsch „kamp“ (Landstück, insbes. eingefriedetes Stück Land, Weide- oder Ackerland, gehegtes Waldstück; Feldstück von bestimmter, doch nicht festgelegter Größe), das in Westfalen und hier insbesondere im Münsterland in Flurnamen außerordentlich häufig ist.

„Saat“ ist identisch mit dem heutigen Wort Saat, das auf mittelniederdeutsch „sât“ (Saat, Handlung des Säens; mit Getreide besätes oder bestandenes Land, Saatfeld; als Ackermaß Saatland von bestimmter Größe) zurückgeht. Bezogen auf Örtlichkeiten bedeutete das Wort sât also auch einzelstehend „Saatfeld, Saatland“, auch die Zusammensetzung Saatland ist in mittelniederdeutschen Texten als „sâtland“ bezeugt (besätes oder zum Besäen bestimmtes Land).

Da die Bedeutung von „Kamp“ mit der von „Feld“ praktisch identisch ist, kann der Begriff Saatkamp ohne Bedenken mit „Saatfeld“ (Saatacker, Saatland) gleichgesetzt werden. Es handelte sich um ein Stück Land, das bereits besät oder künftig zum Besäen bestimmt war. Solche Felder gab es natürlich überall dort, wo Landwirtschaft betrieben wurde, insofern ist der Name Saatkamp allein nicht sehr aussagekräftig. Die Zeitgenossen des ersten Namensträgers aber wussten genau, welche Flur konkret mit „Saatkamp“ gemeint war.

Winfried Breidbach

www.ifn.name

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