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Filmrezensionen

„Der fremde Sohn“: Die Löwenmutter

Hans Gerhold

Er ist der Mann der Stunde. Während sein neuer Film „Gran Torino“ in den USA gerade persönliche Rekordmarken setzt, zeigt bei uns Clint Eastwoods Drama „Der fremde Sohn“, dass nicht Martin Scorsese, sondern der Mann aus Granit der wichtigste amerikanische Regisseur der Gegenwart ist und ein Meisterwerk nach dem anderen abliefert, von denen hier nur „Million Dollar Baby“ und die Kriegsfilme „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“ genannt seien.

Als Komplementärwerk zu Eastwoods „Mystic River“ geht auch „Der fremde Sohn“ von einer Entführung und ihren fatalen Folgen aus. Los Angeles 1929. Als die allein erziehende Telefonistin Christine Collins (Angelina Jolie) von der Arbeit heimkehrt, ist Sohn Walter verschwunden. Einige Monate später wird ihr von der Polizei ein neunjähriger Junge übergeben, der behauptet, ihr Sohn zu sein.

Obwohl Christine erkennt, dass der Kleine nicht ihr Walter ist, wird ihr das Kind untergeschoben, die Cops bügeln ihren Widerstand nieder. Daraus entwickelt sich eine Geschichte, in deren Lauf die vehement kämpfende Löwenmutter in der Psychiatrie landet. Hilfe findet sie nur bei einem Reverend (John Malkovich), der ihre Torturen in der Anstalt zu beenden versucht.

Während man Christines Schicksal verfolgt, entwickelt sich eine weitere Geschichte, die mit einem Serienmörder zu tun hat, dem zwanzig Kinder zum Opfer fallen. Daraus ein zwingendes Thrillerdrama zu konstruieren, das von Neugier bis zu Entsetzen Emotionen bedient, ist eine der Regieleistungen des in seiner lakonischen Erzählhaltung einzigartigen Films, den man mit „Chinatown“ und „L.A. Confidential“ vergleichen muss, die ähnlich perfekt die Zeit von 1928/30 rekonstruierten.

Natürlich wäre der Film nur halb so gut, wenn nicht Angelina Jolie als Löwenmutter die Hauptrolle spielte. Wie sie die Bühne als emanzipierte Frau unter Einfluss betritt, gefoltert wird und nie aufgibt, ist eine ihrer besten Leistungen. >

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