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"Morning Glory"

Der Grummelbär reißt`s raus

Hans Gerhold

Er ist weniger eine romantische Komödie, sondern eine Geschlechterkampffarce. Und: „Morning Glory“ ist eine köstliche Satire aufs Frühstücksfernsehen, in der es weniger um Nachrichtenfieber geht, sondern um Plaudereien, Rezepte und auf der Straße aufgelesene Storys. Becky Fuller (Rachel Mc­Adams), 28, hat gerade ihren Job als Produzentin des Lokalsenders verloren und erhält in New York York beim Morgenmagazin „Daybreak“ eine neue Chance. Clever, flink und ideenreich geht Becky an die Arbeit und erkennt bald, dass sie gegen Routine im Betrieb kaum Chancen hat. Als sie es dank einer kniffligen Vertragsklausel schafft, den Nachrichtensprecher Mike Pomeroy (Harrison Ford) mit an Bord zu nehmen, wird das Leben im Studio zum Stress. Der renommierte Kollege („Ich habe drei Pulitzer“) findet die Arbeit unter seiner Würde, trinkt und kabbelt sich permanent mit Moderatorin Colleen Peck (Diane Keaton), einer ehemaligen Miss Arizona. Als Becky vom Senderchef (obercool: Jeff Goldblum) erfährt, dass „Daybreak“ abgesetzt wird, bleiben ihr sechs Wochen, um die Quoten fürs Überleben zu schaffen. Becky läuft fortan zur Höchstform auf. „Morning Glory“ ist stellenweise zum Totlachen. Eine rasante Komödie, die quirlig, temporeich und mit Wortwitz daherkommt und den Romantikfaktor, Beckys Liaison mit einem Kollegen (Patrick Wilson) herunterschraubt. Regisseur Roger Michell („Notting Hill“) reizt die Qualitäten seiner Stars aus und gibt ihnen, dank des Drehbuchs von Aline Brosh McKenna („Der Teufel trägt Prada“), Raum zur vollen Entfaltung. Rachel McAdams, die den Meisterdetektiv „Sherlock Holmes“ piesackte, spielt die fernsehversessene Produzentin als idealistische Karrierefrau, die nicht nervt, sondern charmant, liebenswürdig und bei aller Hektik konzentriert bleibt. Ford als überheblicher Grummelbär („Gehen Sie weg!“) parodiert sein „Indiana Jones“-Image und verteilt Seitenhiebe auf das Format maroder Morgenmagazine. Wie er andere abkanzelt und dann doch zum unerwarteten Retter wird, ist große Klasse. Diane Keaton, auf die immer Verlass ist, rappt in einer hinreißenden Nummer mit dem echten 50 Cent zu dessen „Candy Shop“. Und der Wetterfrosch sorgt für irren Slapstick. Famos.

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