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Lenz Party

Der Herbst in den Liveclubs: Leben auf den Bühnen

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In Hamburg, wo in diesen Tagen mit der Schließung des Reeperbahn-Clubs Molotow ein wichtiges Stück Musikkultur zu sterben droht, diskutiert die Szene gerade, warum kleine Konzertläden dort keine Überlebenschance mehr haben. Ein Problem, das auch in Münster nicht unbekannt ist: Zuletzt schloss die Luna Bar, die Gründe sind vielfältig – aber deutlich wird schon, dass es in diesen Tagen nicht einfach ist, einen Liveclub zu führen. Schön zu sehen ist es daher, dass mit dem Amp sowie dem Gleis 22 zwei Institutionen ein sehr dichtes und hochwertiges Programm für den Herbst ankündigen. Viele Namen stehen für volle Häuser – und somit für eine Zukunft der Clubs der Stadt.

Das Amp

Man hat im alten Güterbahnhof schon immer ein Herz für lokale Bands, und auch im zweiten Halbjahr tauchen allerhand münstersche Bands im Billing auf. Zum Beispiel am 29. August, wenn die mittlerweile immer routinierter und gekonnter agierenden Experimental-Indierocker Jazzwang Zoo aufspielen. Internationale Stargäste sind am 20. September Eight Legs aus London, deren melodiöser Rock zwischen David Bowie, den Pixies, Gary Glitter und Oasis vor allem live funktioniert.

Ein musikalisches Heimspiel werden am 26. September die Schweden von Quit Your Dayjob im Amp haben, denn ihre Mischung aus Electro, Punk und New Wave ist schon seit Jahren der „Haussound“ des Clubs. Später im Herbst gibt es zwei poppigere Höhepunkte: Am 17. Oktober spielen die Headlights aus den USA, deren Musik mit Wechselgesang zwischen Boy und Girl sehr charmant an die Stars erinnert. Und noch einmal Lokalmatadoren, aber zutiefst etablierte: Samba melden sich zurück und stellen am 29. November sicher auch ein paar neue Lieder vor.

Das Gleis 22

Am Rande der weniger schönen Meldungen über die kriselnde Musikindustrie und das Clubsterben freut man sich umso mehr über Nachrichten wie: „Für nur eine Show ist die Nachfrage zu groß, also spielt die Band gleich eine zweite.“ Minor Majority aus Norwegen, im Gleis so etwas wie Kulthelden geworden, spielen ihre melancholischen, teilweise sehr stark von den ruhigen R.E.M. beeinflussten Folk-Country-Indie-Songs am 6. und 7. September; Karten im Vorverkauf zu ergattern, ist dennoch nützlich: Das letzte Gastspiel der Band war komplett ausverkauft.

Eine echte Ikone der deutschen Popkultur kommt am 21. September: Frank Spilker, Sänger der Sterne, hat mittlerweile auch eine eigene Gruppe gegründet und spielt an der Hafenstraße Lieder seiner sehr guten ersten Soloplatte, die ein bisschen gröber und direkter klingt als die Songs seiner Stammband.

Ein weiterer lieb gewonnener Gast im Gleis ist Rocky Votolato aus den USA, ein Songwriter, der tief in der US-Subkultur verwurzelt ist und sehr authentisch Gefühl und Straßenhärte zu sehr guten Liedern vermengt. Mal herzlich, mal bereit die Faust zu recken: Votolato ist einer der besten Liedschreiber und Performer der US-Alternativszene. Weitere Höhepunkte im Jahr: Am 19. Oktober spielt die sehr gute und erfolgreiche Deutschpopband Klee. Der Zeitlupen-Magie von Bohren & Der Club Of Gore kann man einen Tag später am 20. Oktober erliegen.

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