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Reste vom Vortag

Der "King of Pop" ist tot - doch Ruhe findet er nicht

F. Diederichs

Los Angeles - Er stand kurz vor dem großen Comeback. Einer Rückkehr, mit der der 50-Jährige seine Kritiker nach Jahren der Negativschlagzeilen und des musikalischen Abstiegs zum Schweigen und seine Fans wieder zum Jubeln bringen wollte.

Doch dann, am 25. Juni 2009 und drei Wochen vor der geplanten Super-Show in London, schockierte die Nachricht vom plötzlichen Tod Michael Jacksons die Welt. Das Herz des „King of Pop“ hatte, unter der Last von ständiger Schlaflosigkeit und dem Einfluss zahlreicher starker Medikamente, aufgehört zu schlagen. Mehr als 30 Millionen Menschen verfolgten allein in den USA die Bilder der Trauerfeier in Los Angeles vor dem Fernseher. Die letzten Worte von Tochter Paris rührten viele zu Tränen: „Er war der beste Vater, den man sich vorstellen kann.“

Ein Jahr später sind wichtige Fragen weiter unbeantwortet - und die am häufigsten gestellte lautet: Wer trägt die Hauptschuld an seinem Tod? In den Mittelpunkt rückte bereits kurz nach dem Tod Jacksons Leibarzt Conrad Murray, den jetzt ein Verfahren wegen fahrlässigen Totschlags erwartet. Der 56-jährige Mediziner soll Jackson am Morgen des Todestages laut Obduktionsbericht in der Miet-Villa eine Überdosis des Narkosemittels Propofol verabreicht und dann Wiederbelebungs-Bemühungen unterbrochen haben, um Ampullen beiseite zu schaffen. Murray befindet sich derzeit auf freiem Fuß und darf sogar weiter praktizieren. Murrays Anwalt behauptet nun: Jackson habe sich die tödliche Spritze selbst gesetzt.

Doch die Schuldfrage wird längst auch auf anderer Ebene diskutiert - unter den Verwandten, deren Aufmerksamkeit vor allem dem Erbe gilt, das seit dem Tod Jacksons deutlich an Wert gewonnen hat. US-Medien berichten, dass in den letzten zwölf Monaten knapp eine Milliarde Dollar eingespielt wurden. Nach Abzug aller Kosten und der nicht geringen Verbindlichkeiten sollen Jacksons drei Kinder Prince (13), Paris (12) und Blanket (8) rund 40 Prozent erhalten, der Rest würde an seine 80-jährige Mutter Katherine gehen. Sie hat auch das Sorgerecht für das Trio. Doch Vater Joe, der wie die Geschwister des Stars leer ausgehen soll, schießt gegen seine Frau. Sie sei für den Tod des Sohnes mitverantwortlich, weil sie, so der Patriarch, dessen Medikamentensucht geduldet habe.

Die Jackson-Fans dürften solche Streitereien eher kaltlassen - sie können sich vielmehr auf eine Flut von bisher unveröffentlichten Songs einstellen. Bis zu 100 Aufnahmen seien, so wird berichtet, im Nachlass gefunden worden - ein Fundus, der den zerstrittenen Jackson-Clan noch reicher machen wird. Prunkvoll gefeiert wird dennoch am ersten Todestag nicht: Die Familie plant eine schlichte Gedenkveranstaltung in der Stadt Gary im Bundesstaat Indiana, dem Geburtsort des Künstlers.

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