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Der Kodex der Bauern

Elmar Ries

Münster - Seit mittlerweile einem Jahr schon steckt der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) in einem selbst verordneten Leitbild-Prozess. Auf den ersten Blick geht es dabei um Verbandspolitik. Auf den zweiten um viel mehr.

Wie kann der WLV die Interessen eines Berufsstandes bedienen, der vielleicht heftiger als manch anderer von der Globalisierung erfasst worden ist und damit von ei­ner Entwicklung, die einerseits Vielfalt produziert, aber eben auch wirtschaftliche Ängste und Zukunftssorgen auf den Höfen. Der Markt, er zwingt zu stetem Wachstum, Groß wird größer und frisst am Ende Klein. Wenn es gut läuft, drängt er die Betriebe in Nischen.

Vor einem solchen Hintergrund lauten die Kernfragen: Wer ist heutzutage noch Bauer und wie können die, die sich so verstehen, als solidarischer Berufsstand zusammengehalten werden? Genau darum geht es, sagt WLV-Sprecher Hans-Heinrich Berghorn. Um nicht weniger als das Selbstverständnis ei­ner längst nicht mehr homogenen Gruppe.

Um das herauszufiltern, hat der WLV im vergangenen Jahr seine 45 000 Mitglieder befragt; immerhin als erster Landesverband. Aus den Antworten schmiedete er WLV-intern ei­ne Stärken-Schwächen-Analyse. Darüber hinaus standen sie Pate für eine groß angelegte Werte-Debatte, deren Ergebnisse in den Schlagworten „Verantwortung, Verbundenheit, Engagement“ Platz fanden. „Daran“, erklärt der WLV-Sprecher in Münster, „wollen sich die Bau­ern messen lassen.“

Dass das nach Bedeutungsschwere klingt und vor allem :guten Absichten. Dessen ist sich auch der WLV bewusst. Gleichwohl soll der Drei-Wort-Kanon künftig verstärkt das Selbstverständnis spiegeln und das solidarische Handeln stärken. Derart, dass beispielsweise der Mäster verstehe, warum gerade das Thema Milch politisch gesetzt ist. Oder der Ackerbauer einsieht, wieso das Energie-Einspeise-Gesetz wichtig ist für Betreiber von Biogas-Anlagen. „Damit“, sagt Berghorn, „wollen wir helfen, die Landwirtschaft in die Zukunft zu retten.“ Was letztlich auch meint, dass sich der Verband selber dazu positioniert. Und dem, der in grober Weise ge­gen den Kodex verstößt, im Zweifel auch gehörig auf die Zehen tritt.

Derzeit werden die Schlagworte auf der Ebene der Kreisverbände diskutiert, im Mai sollen daraus ein Leitbild entworfen werden, das am 1. Juni auf dem Landesverbandsausschuss, dem höchsten Gremium des WLV, verabschiedet werden soll.

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