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MV Namensforscher

Der Kreimer arbeitete als Krämer

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Leser Reinhard Kreimer nimmt an, dass sein Familienname von „Krämer“ abstammt. Die etwa 850 Träger des Namens Kreimer leben überwiegend in Nordwestdeutschland mit einer starken Konzentration in den münsterländischen Kreisen Steinfurt und Warendorf sowie in der Stadt Münster. Auch in der Region Köln - Düsseldorf im Rheinland gibt es etliche Familien Kreimer.

An Schreibvarianten gibt es nur die sehr seltenen Namensformen Creimer und Kreymer.

Die historischen Belege erweisen, dass der Name Kreimer in mehreren, voneinander unabhängien Fällen entstanden ist, vor allem im Münsterland, aber auch in anderen Regionen Westfalens sowie im Rheinland.

Bei Kreimer wird es sich in den meisten Fällen um eine Variante des Berufsnamens „Krämer“ handeln. Dieser Name ist überall verbreitet, in der Schreibung Krämer liegt er mit etwa 70000 Namensträgern auf Platz 72 der Häufigkeitsrangliste der Familiennamen in Deutschland, die zweithäufigste Namensform Kramer kommt mit etwa 53000 Personen auf Platz 108. Daneben gibt es weitere Namenvarianten, die nächsthäufigen sind Kremer, Cremer, Cramer, Kromer, Krömer, Krahmer, Crämer, Krohmer, Kreimer und Krähmer.

Bereits im späten Mittelalter erscheint der Berufsname sowohl im Hoch- wie im Niederdeutschen in drei Hauptvarianten: krâmer, kræmer/krêmer und krômer. Als Standardform des Berufsnamens hat sich Krämer durchgesetzt, in den Familiennamen blieben viele alte Formen erhalten.

Der Krämer wurde danach benannt, dass er einen „Kram“ hatte, das heißt, er war ein Kleinhändler, der seinen Handel in einer Krambude oder in einem Verkaufszelt betrieb. Er handelte mit Waren aller Art, so etwa mit Lebensmitteln, Kleingebäck, Obst, Kolonialwaren, Gewürzen, Kurzwaren. Die Berufsbezeichnung ist schon früh als Familienname nachweisbar, zwei alte Belege aus dem niederdeutschen Gebiet sind 1266 „Herman Kremere“ (Magdeburg), 1290 „Hince Kremer“ (Stralsund).

Die Namensform Kreimer mit Diphthong -ei- ist als Variante von krêmer entstanden. Ein Nebeneinander von Langvokal -ê- und Zwielaut -ei- findet sich häufiger bei niederdeutschen Familiennamen, so etwa bei Meester/Mester neben Meister. Meist fällt die Form mit -ei- mit der hochdeutschen Entsprechung des Namens zusammen, im Falle von Kreimer liegt eine echt niederdeutsche und rheinländische Mundartform von Kremer vor. Die zwei ältesten verfügbaren Belege sind 1620 „Gotfridus Kreimer“ (Bernkastel/Rheinland), 1621 „Wilhelmus Kreimer“ (Rheine).

In einigen Fällen kann Kreimer aber auch aus dem Namen Kreimeier/-meyer/Kreymeier/-meyer umgestaltet sein, mit Vereinfachung von -meier zu -mer, wie dies auch bei anderen Namen zu beobachten ist, zum Beispiel bei Schmidtmer aus Schmidtmeier, Stromer aus Stromeier, Wehmer aus Wehmeier. Ebenso konnten die Namen Kremer, Krehmer, Krähmer aus Kremeier/-meyer, Krehmeier, Krähmeyer verkürzt werden.

Mit dem Namen „Kräh(en)meier“ wurde ein Meier benannt, der aus irgendeinem Grund mit einer Krähe verglichen wurde. Am ehesten ist an einen Schwarzhaarigen oder an jemand mit krächzender Stimme zu denken.Winfried Breidbach

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