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Filmrezensionen

„Der letzte Applaus“: Tango-Doku

Als sich der in Deutschland zum Regisseur ausgebildete Argentinier German Kral („Musica Cubana“) 1999 erstmals an den zentralen Schauplatz seiner neuen Dokumentation begab, sah die Welt noch anders aus: Damals lebte „El Chino“ noch...

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Als sich der in Deutschland zum Regisseur ausgebildete Argentinier German Kral („Musica Cubana“) 1999 erstmals an den zentralen Schauplatz seiner neuen Dokumentation begab, sah die Welt noch anders aus:

Damals lebte „El Chino“ noch, jener charismatische Wirt, dessen nach ihm benannte Kneipe in Buenos Aires seit Jahrzehnten zahllosen Tango-Sängern und -Tänzern eine urige Auftrittsmöglichkeit bot. Zwei Jahre später aber starb „der Chinese“ unter seltsamen Umständen, seine Witwe wirtschaftete das Lokal in der Folge schnell ins Aus, und die gealterten Stammsänger wähnten sich unmittelbar vor dem gefürchteten „letzten Applaus“.

Kral folgt den Tango-Senioren in ihre ärmlichen Behausungen, und man lernt, dass selbst größtes Talent (einige der Sänger waren vor fünfzig Jahren Stars) nicht in finalen Wohlstand mündet: Wer die Kunst wählt, tanzt am Abgrund. Und nach dem wirtschaftlichen Quasi-Zusammenbruch Argentiniens ist so eine Gruppe von Gesangsveteranen noch lange kein putziger „Buena Vista Social Club“, obwohl man am Ende ein kurzes „Chino“-Revival mit jungen Nachwuchsmusikern feiert. In diesem Sinne ist Krals Porträt eines sehr fremd anmutenden Soziotops auch lohnende Kost für Leute, die mit dem Pathos und der Wehmut des Tango sonst nicht allzu viel am Hut haben.

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