1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Der Mann ohne Eigenschaften

  6. >

„Eine Insel namens Udo“

Der Mann ohne Eigenschaften

Gian-Philip Andreas

Er berlinert nicht, er trägt keine Brille, und er überrascht auch nicht mit schroffen Unhöflichkeiten: Kurt Krömer, der skurrile Fernseh-Talk-Comedian mit Grimme-Weihen, nimmt sich in seiner ersten Kinohauptrolle zurück. Er spielt als Krömer nicht Krömer, so wie Otto in allen Otto-Filmen immer Otto spielte, sondern einen Mann ohne Eigenschaften.

Seine Figur Udo ist krank. Er leidet an „Schwersichtbarkeit“ und ist der Wahrnehmung durch seine Umwelt entzogen. In der Wirklichkeit des Films heißt das: Erst, wenn er andere berührt, wird er gesehen. Oder wenn er verliebt ist.

Zunächst macht sich der Film - in der Regie des Debütanten Markus Sehr - einen Spaß daraus, Udos Leben mit diesem Leiden auszumalen. Er hat einen idealen Job als Kaufhausdetektiv, schläft nachts in einem Zelt in der Sportabteilung und trinkt Kunden unbemerkt den Kaffee aus der Tasse. Wie Krömer das spielt, mit der gekonnt linkischen Slapstickhaftigkeit des vereinsamten Sonderlings, das hat fast schon was Buster- Keaton-Ähnliches.

Dann tritt die wunderliche Hotelfachfrau Jasmin in sein Leben, gespielt von der stets sehenswerten Fritzi Haberlandt. Sie kann ihn sehen, beide werden ein Paar, über diverse Umständlichkeiten hinweg.

Und die sind das Problem: Von nun an nämlich stolpert der Film viel zu übliche Wege entlang, um noch für Überraschungen zu sorgen. Wie eine ungelenk kompilierte Sketchparade mutet der Film bald an, bei der nur jeder dritte Gag wirklich zündet. Am besten ist der Film dagegen immer dann, wenn er seine Komik aus den eigentlich tragischen Lebensumständen seiner einsamen Protagonisten zieht, das Peinliche mit dem Rührenden kurzzuschließen. Mit etwas mehr Mut, das konsequent durchzuziehen, hätte das durchaus eine große Komödie werden können.

Startseite