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Der Traum ist aus

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Die Nürnberger Arbeitsmarktzahlen sind brisante Daten. Manch ein Bundeskanzler ist über die Statistik jäh gestürzt. So war gestern ein denkwürdiger Tag: Denn erstmals seit 16 Jahren wurde die magische Drei-Millionen-Grenze wieder unterschritten. Über das kleine Job-Wunder freut sich vor allem die Politik, doch als Ruhepolster taugt die Statistik nicht mehr lange. Am Stellenmarkt kündigt sich die Zeitenwende an: Die Früchte des Oktober 2008, die heute noch zu bestaunen sind, werden alsbald vom Sturm an den Finanzmärkten weggefegt sein.

Man muss nicht zur Schwarzmalerei neigen, um zu prophezeien, dass sich der Aufschwung am Arbeitsmarkt in den letzten Zügen befindet. Die Turbulenzen der Bankenkrise schlagen inzwischen mit Wucht auf die Realwirtschaft durch. Die Automobilindustrie hat es bereits schwer erwischt, und mit ihr auch die Zulieferbetriebe. Die Sorge um den Arbeitsplatz bekommt wieder Konjunktur. Aus der Traum.

In der Regel reagiert die Beschäftigtenstatistik mit einer geraumen Verzögerung auf die Eintrübung der wirtschaftlichen Lage. Erschreckend ist jedoch vor allem, mit welch rasantem Tempo der konjunkturelle Wettersturz in einzelnen Branchen zurzeit vonstattengeht. Andere wollen dagegen zumindest ihr Personal halten oder gar noch Neueinstellungen vornehmen. Unterm Strich wird sich in den kommenden Monaten wohl aber Ernüchterung breitmachen.

Kanzlerin Merkel darf heute bei der Nürnberger Bundesagentur die letzten Sonnenstrahlen tanken. Aus den Reformerfolgen der vergangenen Jahre wird sie keinen politischen Nutzen mehr ziehen können.

Michael Giese

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