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Der Traum von fescher Wäsche

Gian-Philip Andreas

Schweizer Filmen wird nachgesagt, sie seien recht behäbig, ein wenig dröge, aber gutherzig, also insgesamt so wie, sagen wir mal, der durchschnittliche Einwohner von Bern.

Das ist ein Klischee, natürlich, aber eines, das immer wieder nach Bestätigung verlangt. Deshalb verwundert es auch nicht, dass Bettina Oberlis Tragikomödie „Die Herbstzeitlosen", die fürs Fernsehen geplant war und dann zum Schweizer Kinohit wurde, ein recht behäbiger Film ist, ein wenig dröge, aber gutherzig.

Die Geschichte ist nicht neu (man kennt sie so ähnlich aus vergleichbarer Wohlfühlware wie „Kalender Girls“ oder „Jetzt oder nie“), funktioniert aber, selbst wenn sie so überraschungsfrei erzählt wird wie hier: Eine Handvoll älterer Damen lebt im Emmentaler Bergdorf Trub, lässt sich von überzeichneten Patriarchen knechten wie dem bigotten Pfarrer (der natürlich eine Affäre hat) oder dem alerten Provinzpolitiker, der seine bedürftigen Eltern ins Heim abschieben will.

Doch auf einem likörbefeuerten Ausflug nach Bern erinnert sich die Älteste von ihnen an ihren Jugendtraum: die Leitung einer Boutique für feine Lingerie. Tatsächlich macht sich die gelernte Schneiderin (gespielt von der Schweizer Kinolegende Stephanie Glaser) nun daran, edles Tuch in fesche Wäsche zu verwandeln und im Laden ihres verstorbenen Gatten feilzubieten. Nicht nur Pfarrer und Politiker sind entsetzt über das „Petit Paris". Zunächst jedenfalls.

Von Beginn an ist klar, dass alles ein gutes Ende nehmen wird – da mag man dem Film die wenigen tragischen Einschübe kaum mehr abnehmen.

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