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Der verdiente Lohn für RW Ahlen

André Fischer

Ahlen. Es war einiges los im Kabinengang von RW Ahlen unmittelbar nach der 0:1-Niederlage gegen Braunschweig. Niemand schien einen Plan in der Tasche zu haben für das, was geschehen war.

So sicher waren sich alle im Vorfeld, den rechnerisch noch fehlenden Punkt gegen die Eintracht zu holen, damit kräftig gefeiert werden kann. Und nun das! „Wenn wir knapp verlieren, habe ich Bauchschmerzen das alles durchzuziehen“, verkündete Aufsichtsratschef Bernd Mehring unmittelbar vor der Partie. Hatte er gar so etwas wie eine Vorahnung? „Absolut nicht“, so Mehring nach der Begegnung, „aber so ist der Sport“. Recht hat er.

Das Problem war dennoch nicht aus der Welt. „Für mich ist das keine Frage. Erst wenn alle Zweifel beseitigt sind, darf gefeiert werden. Es wäre nicht fair gegenüber den anderen Teams, jetzt groß zu feiern“, hatte Ex-Spieler René Hecker, der in der kommenden Saison Trainer beim Oberligisten aus Hamm wird, so seine Bedenken. Ähnlich sah es unmittelbar nach dem Spiel Vorstandsmitglied Rainer Kriwat: „Es wäre vernünftig, jetzt nicht zu feiern. Das können wir noch nächste Woche.“ Urgestein Willi Pott dagegen fand klare Worte: „Wir sind aufgestiegen. Da brennt nix mehr an. Alles wird so durchgezogen. Es wäre doch verrückt, jetzt die gesamten Feierlichkeiten samt Auto-Korso abzusagen.“

Zu gleichen Zeit verkündete Stadionsprecher Ulf Kirschbaum auf der Pressekonferenz, dass die geplante Aufstiegsfeier abgesagt sei. Damit hatte dann doch niemand gerechnet und überall gab es fragende Gesichter. Wie, jetzt doch nicht? „Vize“ Jörg Hellwig versuchte daraufhin die Zuschauermassen, die das Feld gestürmt hatten, um die Mannschaft noch mal zu sehen, vor dem Spielertunnel zu beruhigen, denn auch diese hatten die aktuellen Ereignisse mitbekommen. „In der Kabine ist es totenstill“, verstand Zeugwart Willi Pott die Welt nicht mehr. „Wir sind doch noch Erster und aufgestiegen, was soll das denn?“ Fast konnte man meinen, RW hätte gegen die Eintracht alles verspielt.

Dann setzte die Mannschaft ein Zeichen: „Wir wollen die Feier und haben sie uns in den zurückliegenden Wochen verdient“, so der einhellige Tenor aus der Kabine. Und schon waltete Präsident Heinz-Jürgen Gosda seines Amtes, zeigte sich auf der Tribüne den Fans mit den Worten: „Alles bleibt, wie es ist. Wir sehen uns morgen Nachmittag auf dem Marktplatz.“

Damit war das Ding durch. „Wir haben uns kurz zusammengesetzt und darüber diskutiert, was zu tun ist. Dann haben wir auf Wunsch der Mannschaft gehandelt“, so Gosda. Also stand einer runden Party nichts mehr im Wege. Und so feierten sie am Sonntag wie ein verdienter Aufsteiger ihren Triumph vor mehr als 1000 Zuschauern auf dem Marktplatz. „Unglaublich, was hier abgeht. Das hat sich die Mannschaft verdient“, freute sich Willi Pott, der bereits beim ersten Aufstieg in der Saison 1999/2000 dabei war. Entspannter als am Vortag war auch Bernd Mehring: „Das Team hat mir versprochen, dass es in Babelsberg noch einmal Vollgas gibt. Also haben wir allen Grund, zu feiern.“

Überwältigt war Bürgermeister Benedikt Ruhmöller, der nichts dagegen hatte, als die Mannschaft den Ratssaal des Alten Rathauses stürmte und sich auf dem „Sieger“-Balkon feiern ließ: „RW Ahlen hat jüngst an Sympathien und Akzeptanz gewonnen. Es herrscht dort eine gewisse Bescheidenheit, vom Trainer bis zum Präsidenten. Ein Club, der mittlerweile in der Tat zum Anfassen ist.“

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