1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Der Verlust des Planwagens

  6. >

„Meek´s Cutoff“

Der Verlust des Planwagens

Hans Gerhold

Etwas abseits der gängigen Filmlandschaft, erzählt der von Kelly Reichardt („Old Joy“, „Wendy and Lucy“) inszenierte historische Western „Meek´s Cutoff“ von drei Familien, die 1845 auf einem Treck nach Oregon ziehen. Ein undurchsichtiger und unzuverlässiger Führer lenkt sie auf die Abzweigung, die heute „Meek´s Cutoff“ heißt und dem Film den Namen gab.

Unterwegs müssen sie sich entscheiden, ob sie sich auf der Suche nach Wasser einem Indianer anvertrauen. Ob die Gruppe ankommt, bleibt offen. Soviel zur äußeren Handlung, auf die der Film wenig Wert legt.

Hier geht es nicht um Spannung und Indianerüberfälle, sondern um das Überleben in feindlicher Natur und um die Rolle der Frauen bei der Wanderung. Einen Planwagen zu verlieren, ist das Äußerste an Dramatik. Reichardt ist interessiert an der Arbeit, die die Frauen leisten, die der Hitze trotzen, Räder wechseln und Lagerfeuer entfachen. Wenn die Männer aufbrechen, um Indianern zu folgen, verharrt die Kamera im Lager und zeigt die Reaktionen auf den Gesichtern der Frauen.

Reichardts Stil ist lyrisch-episch und Terrence Malicks „The Tree of Life“ verwandt, mehr Meditation als Erzählung. Als Frauen-Western ist er jedoch nicht ganz neu. In William Wellmans Meisterwerk „Karawane der Frauen“ (1951) ziehen Hunderte von Frauen (wirklich nur Frauen) gen Westen und werden vom Treckführer (Robert Taylor) auf teils brutale Weise an Grenzen geführt.

Mühe und Arbeit der weiblichen Pioniere übertragen sich in Wellmans sehr spannendem und hartem Film wesentlich überzeugender als in Reichardts ehr langsamen Epos.

Startseite