1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Der verpackte Dom

  6. >

Homepage Thema 1

Der verpackte Dom

Martin Kalitschke

Münster - Die erste Assoziation: Hier war Verpackungskünstler Christo am Werk. Tatsächlich ist der Salvatorgiebel an der Südseite des Doms aus weitaus trivialeren Gründen in weiße Planen gehüllt worden: Der 1906 im neogotischen Stil errichtete Gebäudeteil wird bis zum Herbst komplett saniert. „Die Fugen sind völlig desolat, die Giebelornamente zum Teil stark beschädigt“, berichtet Bauleiterin Monika Göddeker vom Architekturbüro Hülsmann. Von Rissen, die auf Brände im Dom-Innenraum während des Zweiten Weltkrieges zurückgehen, ganz zu schweigen.

690 Quadratmeter Fassadenfläche sollen allein am Salvatorgiebel bis November restauriert werden. Teilweise arbeiten die Experten in 34 Metern Höhe, „vor allem bei der aktuellen Hitze eine sehr mühselige Arbeit“, berichtet Göddeker.

Hauptproblem bei der Giebelsanierung: „Er besteht aus Osning-Sandstein, doch den gibt es heute nicht mehr.“ Ein Bentheimer und ein Tecklenburger Sandstein kommen als Ersatz in Frage, welcher der bessere ist, wird derzeit ermittelt. Große Mengen plant die Bauleiterin allerdings nicht zu bestellen: „Wir wollen so viel wie möglich von der Originalsubstanz erhalten.“

Seit 7. Juni wird am Giebel gearbeitet, ab kommender Woche dann auch auf dem Dach, das dringend erneuert werden muss. „Es ist nicht mehr sturmsicher“, so Göddeker. Und das, obwohl es erst in der Nachkriegszeit errichtet worden war - allerdings nicht immer mit erstklassigem Material: Teilweise bedienten sich die Bauherren damals einfach am Kriegsschutt. Insgesamt müssen 5500 Quadratmeter Dacheindeckung ausgetauscht werden.

Weitere Maßnahmen stehen - nach einer Winterpause - im kommenden Jahr an. Dann werden Seiten-, Kapellen- und Kreuzgangdächer erneuert, zudem die Glockenstühle der Türme: Bislang aus Stahl, sollen sie nun in Holz errichtet werden - „das schwingt nicht so stark, die Glocken werden damit künftig besser klingen“, so Göddeker.

Rund zehn Millionen Euro investiert das Bistum - ab 2011 auch im Innenraum. Ein neues Brandschutzkonzept wird umgesetzt, das alte Lüftungs- und Heizungssystem erneuert. Dann soll der Dom sogar für mehrere Monate komplett geschlossen werden. Viel Arbeit, doch Göddeker bleibt gelassen: „Wir haben im Bistum immerhin schon über 100 Kirchen saniert“, betont sie selbstbewusst.

Startseite