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MV Namensforscher

Der Winkelmann wohnte an abgelegener Stelle

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Hans-Ulrich Winkelmann aus Salzbergen hat die Information, dass sein Familienname auf einen Flurnamen zurückgeht und den „Mann im Winkel“, der sich vom Dorf absondert, bezeichnete. Der Name Winkelmann ist im gesamten deutschen Sprachgebiet verbreitet und wird in Deutschland, Österreich und in der Schweiz von über 17000 Personen getragen. Besondere Konzentrationen des Namens sind in Niedersachsen zwischen Diepholz, Lüneburg und Braunschweig festzustellen. Die Namenvarianten Winckelmann, Winkelman und Winklmann (Bayern) sind erheblich seltener. In den Niederlanden hat der Name in der Schreibung Winkelman über 1000 Namensträger.

Die Annahme von Leser Winkelmann wird in vielen Fällen das Richtige treffen. Das Wort Winkel, das im Hoch- und Niederdeutschen sowie im Niederländischen seit Jahrhunderten gleich lautete, ist in zahllosen Orts- und Flurnamen enthalten. Die ursprüngliche Bedeutung ist „Winkel, Ecke, abseits gelegener, verborgener Raum“, bei Flurnamen meint Winkel meist eine, von der Siedlung aus gesehen, entlegene oder versteckte Stelle. Auch winkelförmige Land- oder Waldstücke konnten „Winkel“ heißen, ebenso wie Seitentäler in gebirgigen Gegenden. Von jeder dieser Stellen konnte ein Wohnstättenname ausgehen, der vom Stellennamen Winkel entweder mit -man (Winkelman) oder mit -er (Winkeler) abgeleitet war oder der eine dreigliedrige Form hatte. Vom letzteren Namentyp gibt es heute noch die folgenden Familiennamen: Im Winkel, op den Winkel, ten Winkel (ten = to den) und zum Winkel/Zumwinkel.

In etlichen Fällen wurde der Stellenname auf eine Siedlung übertragen, heute gibt es rund 20 Orte namens Winkel. Stammte jemand aus einem dieser Orte, konnte er am neuen Wohnsitz den Beinamen „Winkelmann“ erhalten. Vergleichbar sind andere Herkunftsnamen mit -mann wie etwa Hamelmann (aus Hameln).

In Nordwestdeutschland entwickelte sich zum Wort Winkel eine Spezialbedeutung „Krambude, Laden; Werkstatt“, im Niederländischen ist diese Bedeutung heute die allein herrschende. Dies geht auf den Umstand zurück, dass es viele Krambuden in einem „Winkel“ zwischen Gebäuden oder Mauern gab. Die Stellenbezeichnung „(im) Winkel“ wurde auf die dort befindliche Bude übertragen. Der Inhaber des Ladens konnte als Winkelmann oder als Winkler benannt werden, in diesem Falle liegt ein Berufsname vor.

Im hochdeutschen Gebiet kann der Familienname Winkelmann eine weitere Grundlage haben, denn das Wort winkelman ist für die mittel- und frühneuhochdeutsche Sprache mit einer Bedeutung „lichtscheuer, dummer und abergläubischer Mensch; Sonderbündler“ bezeugt. Dahinter wird die Vorstellung stecken, dass derjenige, der abgesondert im Winkel wohnte, vom normalen Lauf der Dinge wenig mitbekam. In Einzelfällen mag jemand mit geringen Geistesgaben oder ein abergläubischer Mensch einen Beinamen „Winkelmann“ mit dieser Bedeutung bekommen haben.

Schließlich ist noch als Kuriosum anzuführen, dass in mindestens einem Fall ein in einem Winkel gefundenes Kind später „Winkelmann“ hieß.Winfried Breidbach

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