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Filmrezensionen

„Der Womanizer“ - Läuterung eines Fließbandverführers

Hans Gerhold

Wer ein rechter Verführer ist - so einer wie Modefotograf Connor Mead (Matthew McConau­ghey), der den Auslöser nur für nicht angezogene Weiblichkeiten drückt -, der hat Techniken. Da Connor kein Herz hat, klappt die Anmache immer. Doch irgendwie steht er, wenn er Bett und Leben überblickt, ziemlich allein da. Aus dieser Vorgabe haben die Autoren der turbulenten „Hochzeits-Crasher“ und der „27 Dresses“ eine simple und vorhersehbare, aber irgendwie gefällige romantische Komödie gestrickt, deren Sahnehäubchen Jennifer Garner als Connors Jugendliebe ist.

In freier Anlehnung an die schon mehrfach verfilmte „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens lassen sie den üblen Connor auf der Hochzeit seines Bruders (Breckin Meyer) auf die Geister seiner vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ex-Freundinnen treffen. Mister Oberflächlich, der ganz virtuos bei einer Videokonferenzschaltung gleich drei Ex versenkt, wird auf ziemlich drastische Weise vorgeführt, was für ein Gefühlsrohling er ist.

Da es aber in keiner romantischen Komödie ohne Läuterung abgeht, stößt Connor bei jeder Gelegenheit auf Jenny (Garner), die die Hochzeit organisiert. Sie hatte beim Teenie-Ball, als er noch schüchtern war, einen Älteren vorgezogen, der schon „mit Zunge“ küssen konnte. Das erklärt die Treulosigkeit der Frauen und den Knacks in Connor zwar nur für einen Dollar an Freud-Psychologie, ist aber Voraussetzung für das tief in ihm schlummernde gute, romantische Herz, das Bindung sucht. Dass er bis zu seiner Rettung durch Jenny die Hochzeit des Bruders systematisch ruiniert, vom Kuchen über das Anbaggern der Mutter der Braut bis zur Tirade gegen die Ehe und das Offenlegen amouröser Gelüste und Geheimnisse der Brautjungfern, gehört in die Kategorie Unfug mit Bedacht.

Über den Fließbandverführer McConaughey lässt sich streiten, Garner aber ist über jeden Zweifel erhaben. In Erinnerung bleibt ein schmieriger Michael Douglas, der den verstorbenen Onkel, Erzieher des früh zum Waisen gewordenen Connor, spielt, der ihm Alles über Macht in Beziehungen, Aufreißer-Sprüche und Casanova-Tricks beigebracht hat („Der Prophet spricht“). Douglas ist die Idealbesetzung und - ganz ehrlich: die unkorrekten Szenen machen wesentlich mehr Spaß, als Reue und Läuterung.

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