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Schützenfeste in Dülmen

Dernekämper König feierte erst mit den Nachbarn 

wn

Dülmen. Michael Hoffmann, Vorsitzender des 1701 gegründeten Dernekämper Schützenvereins, verweist auf die alten Traditionen: „Schon seit jeher fand unser großes Fest über Pfingsten statt, und zumindest seit 1949 wird immer am Pfingstdienstag gegen den hölzernen Vogel und um die Königswürde gekämpft.“ So ist es auch dieses Mal in Dernekamp, wo man versucht, mit allen 565 Mitgliedern noch enger zusammenzurücken und sich gerade in der heutigen nicht ganz leichten Zeit gegenseitig zu helfen.

Dazu muss der Verein natürlich gut organisiert sein und mit viel Geschick vom Vorstand gelenkt werden. Allerdings ist dafür nicht nur das Präsidium verantwortlich, auch alles in allem 21 Offiziere sind wichtige und nicht wegzudenkende Korsettstangen. Sie alle werden - ebenso wie die Vorstandsmitglieder - auf den stets im Januar stattfindenden und immer gut besuchten Generalversammlungen für einen Zeitraum von fünf Jahren gewählt, wobei eine Wiederwahl nach Ablauf dieser Periode möglich ist.

Die Hierarchie des Offizierskorps beginnt mit einem Tambourmajor, einem Vogelträger sowie einem Stabsarzt und neun Fahnenoffizieren. Ein Teil von ihnen begleitet das Antreten und die Umzüge mit den prächtigen Vereinsfahnen, andere wiederum werden als Fahnenschläger eingesetzt. Eine Stufe höher findet man gleich drei Zugführer, kommandiert von einem Hauptmann. Die Spitze wird durch einen Major und einen Oberst gebildet, die beritten sind und jeweils einen Leutnant als Adjutanten zu ihrer Verfügung haben. Nicht zu vergessen Bernhard Schulze Kalhoff, König von 1975 und jetzigen Ehrenoffizier zu Fuß.

Er war unter anderem auch der Amtsvorgänger von Heinz Bontrup als Hauptmann und ist das beste Beispiel für die Zuverlässigkeit der Dernekämper Offiziere. „Bernhard hat mir vor Jahren versprochen, mich als Hauptmann auf dem Schützenfest zu vertreten, wenn ich es mal schaffen sollte, die Königskette zu erobern. Dieses Versprechen löst er jetzt ein“, berichtet die amtierende Majestät.

Zu Bernhard Schulze Kalhoff erzählen sich die älteren Schützen in geselliger Runde immer noch eine nette Anekdote. Als der König nach seinem Sieg beim Kampf um das Federvieh vor 34 Jahren zum Umziehen nach Hause ging, stellte er dort fest, dass er keinen Haustürschlüssel dabei hatte und seine Frau nicht da war. Deshalb musste er über den Nachbarbalkon, um eines seiner Fenster auszuhebeln. Für ihre Mithilfe wurden die Nachbarn mit einem Umtrunk belohnt, der sich über eine längere Zeit hinzog. Als Mundschenk Anton Meerkamp seinen König zum Ball abholen wollte, saß dieser immer noch bei einem gemütlichen Bierchen mit den Nachbarn zusammen und feierte seinen Königsschuss. Trotzdem waren alle pünktlich zum Umzug und zur Proklamation zur Stelle!

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