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Filmrezensionen

„Deutschland 09“: Kleine Granate für das Bewusstsein

Hans Gerhold

Die von Tom Tykwer initiierten 13 Kurzfilme seiner Kollegen zum Stand der Dinge im Land bieten originelles, satirisches und selbstbewusstes Meinungskino - eine kleine Bewusstseinsgranate. Man muss nicht alle Kurzfilme aus „Deutschland 09“ mögen, nicht deren Ansichten teilen, aber was die Regisseure aus der Crème deutscher Filmemacher zu sagen haben, ist kein beliebiges Programm, sondern überlegtes, bewusst provozierendes Kino, das die Diskussion sucht und sich stellt. In dem Sinn steht es trotzig und kraftvoll in der Tradition von „Deutschland im Herbst“ und bietet ein Mosaik aktueller Bewusstseinsprozesse fern lascher Medienkonformität.

Im Wesentlichen lassen sich auf Satire erpichte Autoren, Aktionisten, Essayisten und reflektierende Dokumentaristen unterscheiden. „Joshua“ ist Dani Levys satirischer Überflieger und der beste Beitrag: Medikament Promorganas schafft Frohsinn im Land; Levys fliegender Sohn landet auf dem Schoß der Kanzlerin, die „eine Idee für Deutschland“ sucht. Dem stellt Wolfgang Becker in „Krankes Haus“ die mit Aufwand gefilmte Deutschlandklinik gegenüber, lässt Satire ätzen.

In Hans Steinbichlers praller Satire „Fraktur“ nimmt sich der großartige Josef Bierbichler als Unternehmer die FAZ vor, als diese Layout und Fraktur-Schrift ändert („ein Verbrechen“). Tom Tykwer schickt Benno Fürmann in „Feierlich reist“ in stylisch gefilmten Bildern für ein Modelabel durch Hotels und Starbucks der globalisiert vereinheitlichten schönen neuen Welt, in deren Werbespirale er sich verliert.

Neben den ausgewählten Highlights fallen einige Beiträge ab, passable Ideen stehen neben fahrig gefilmten Szenen, nüchterne Beobachtungen und Interviews neben Meditationen, subtile Gedanken neben Beliebigem. Insgesamt ein ehrenwerter Versuch mit Gedankenanstößen. Genau das soll ein Kompilationsfilm leisten.

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